Dunkle Absichten

Blogroman

Kapitel 1

   

Es war ein strahlender Morgen. Die Sonne hatte Kraft, brannte auf der Haut. Vor uns erstreckte sich das tief blaue Meer. Die Palmen im Garten raschelten aufgrund des frischen Windes, der die Hitze erträglich machte. Ich hatte die Unterarme auf das Geländer der Terrasse gestützt, um besser sehen zu können. Sicher, Simon hatte mich vorgewarnt, dass sie etwas besonders war. Aber seine Worte ergaben erst jetzt einen Sinn, als ich sie vor mir sah. Sie stand auf dem Motorboot, obwohl es immer noch eine beachtliche Geschwindigkeit hatte. Die Arme hatten sie ihr auf dem Rücken zusammengebunden. Simon hatte sechs Schränke losgeschickt um sie abzuholen, und sie hatten sie fesseln müssen! Ich neigte den Kopf interessiert zur Seite – das versprach spannend zu werden.

Sie war jung, vielleicht Mitte zwanzig, das Kinn trotzig gen Himmel gereckt, als würde sie ihn dafür verfluchen, dass sie sich in der Situation befand, in der sie sich befand. Sie trug ein schwarzes Kleid, ihre braun-goldene Haut schimmerte und die langen schwarzen Haare tanzten im Wind. Ich hatte viele Frauen hier ankommen sehen, aber keine hatte da gestanden und mit solch ehrlicher Verachtung auf uns herabgeblickt.

Das Boot wurde langsamer, die Leinen ausgeworfen und unser Gast drehte sich um. Sie hob stolz den Kopf und schaute zielsicher zu uns hoch. Die schönen vollen Lippen hatten sie missbilligend zusammengepresst und in ihren unfassbar hellen Augen tobte ein Sturm, der im Ansatz erahnen ließ, wie gern sie uns allen die Kehlen durchschneiden würde.

Ich schaute Simon an, seine Mundwinkel zuckten. „Ich hab doch gesagt, sie ist etwas besonders.“

"Bist du sicher, dass du überhaupt die Nacht überlebst?“

Er lachte, als hätte ich einen Witz gemacht.

"Wo hast du sie her?“

"Das ist Tess Ventura. Duffie Venturas Frau. Ihr Mann kann seine Schulden nicht bezahlen. Dafür hat er uns einen kleinen Pfand geschickt. Und ich bin geneigt, ihn als Erfüllung seiner Verbindlichkeit anzusehen.“ Es blitzte in seinen Augen, Genugtuung und Vorfreude schwangen in seiner Stimme mit.

Ich nickte langsam und schaute wieder zu unserem Gast, der eskortiert von den sechs Guerillas die Stufen zu Simons Anwesen emporstieg. Einer hatte seine Finger um den Kabelbinder geschlossen, den sie ihr um die Handgelenke gebunden hatten, und schob sie leicht vor sich er. Einmal stolperte sie, er zog sie unsanft weiter, und als sie ihr Gleichgewicht wiedergefunden hatte, dachte ich kurz, sie wollte ihm ins Gesicht beißen, so sehr fauchte sie ihn an.

Simon lehnte sich noch etwas weiter vor. Es war unschwer seine Gedanken zu erraten, zumal meine wahrscheinlich seinen nicht unähnlich waren.

„Was hast du vor mit ihr?“, fragte ich.

„Ich weiß es noch nicht. Gerade überlege ich ernsthaft, sie zu behalten.“ Ein Grinsen, in dem so viel Vorfreude mitschwang, das ich lächeln musste, breitete sich auf seinem Gesicht aus.

Es klopfte, Simon donnerte: „Herein“. Und die kleine Wildkatze trat widerwillig durch die Tür. In ihren Augen tobte immer noch blanker Hass, ansonsten hatte sie sich im Griff, nur ihre Brust hob und senkte sich etwas schneller, als es gewöhnlich der Fall sein durfte, wenn sie nicht gerade als Pfand für die Schulden ihres Mannes verhökert wurde.

„Guten Abend Tess.“ Simon machte einen Schritt auf sie zu.

Da sie nicht zurückweichen konnte, weil der menschliche Schrank immer noch hinter ihr stand und sie festhielt, beschränkte sie sich darauf, den Kopf so weit zurückzunehmen wie es ging. Dabei rümpfte sie die Nase und schaute angewidert auf ihn herab, obwohl er beinahe zwei Köpfe größer war als sie. Ich blieb indes, wo ich war, lehnte mich mit dem Rücken gegen die Wand und beobachtete das Schauspiel.

Die Schönheit sagte nichts, sondern blickte nur finster geradeaus. Er wartete ab, nahm dann ihr Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger und drehte ihren Kopf zu sich. Der Sturm in ihren Augen wurde zu einem Blizzard.

„Du weißt, warum du hier bist?“ Sein Ton war freundlich, gerade zu besänftigend.

Es half aber nichts, sie schwieg weiter. Ich schmunzelte.

Simon wartete geduldig, aber vergebens. „Ich schätze es, wenn ich auf die Fragen, die ich stelle, Antworten bekomme. Wir können das hier nämlich auch auf eine andere, weniger nette Weise handhaben.“ Er war nach wie vor freundlich, es war lediglich ein Hauch Schärfe, der sich unter seinen Tonfall mischte. Aber es reichte, damit sie ihm direkt in die Augen sah. Zwischen dem Stolz und der Wut entdeckte ich nun auch eine Spur Angst.

Sie war sich offenbar sehr genau darüber im Klaren, wo und bei wem sie sich befand. Ich kannte Ventura, er war ein ausgemachter Blödmann und es wunderte mich überhaupt nicht, dass er pleite war. Er hatte keinen Sinn für diese Art von Geschäften. Er hätte lieber bei seinen Paragrafen bleiben sollen, als sich auf jemanden wie Simon einzulassen. Dass er so eine Frau hatte, überraschte mich allerdings über alle Maßen.

„Also, was darf es sein? Die nette oder die gemeine Art?“ Simons Ton wurde lauernder.

„Fick dich.“ Ihre Stimme war rau, tief und melodisch. Wie flüssiger Sex.

Ich sah, dass auch Simon bei diesem Klang überrascht innehielt. Gut kannte er sie also nicht, folgerte ich. Wahrscheinlich hatte er sie bisher nur gesehen und an ihrem Anblick gefallen gefunden, aber noch nicht mit ihr gesprochen.

Sie war schnell, sie nutzte den Moment seiner Unaufmerksamkeit und biss ihm in den Finger. Ich lachte laut auf und Simon fluchte wild. Er hob seine Hand, als wollte er ausholen, zischte jedoch nur etwas Unverständliches durch die Zähne, und drehte er sich unverrichteter Dinge zu mir um. Sein Finger blutete und sein Gesicht hatte eine ähnlich dunkelrote Färbung angenommen. Die Kleine schien ungerührt, ein triumphierender Ausdruck huschte über ihre Miene.

„Bringt sie raus. Irgendwo hin, wo sie keinen Schaden anrichten kann“, befahl ich den Gorillas, bevor Simon sich etwas überlegen konnte, was die Situation hätte hässlich werden lassen.

Er rannte fluchend aus der Tür in ein angrenzendes kleines Badezimmer.

„Hast du der kleinen Schlampe gerade geholfen?“, fragte er, als er wiederkam. Seine Stimme bebte immer noch.

„Na, bevor du dir selbst gleich allen Spaß verdirbst.“ Ich zwinkerte ihm zu. „Wie viel schuldet uns Ventura?“ Einerseits interessierte es mich ernsthaft, andererseits wollte ich ihn ablenken.

„Etwa Fünfzigtausend.“ Simon zischte die Worte zwar durch die Zähne, aber seine Gesichtsfarbe normalisierte sich wieder.

„Er hat sich ja regelrecht zurückgehalten. Und das Bisschen bringt er nicht auf?“

„Er ist pleite. Hat keine Sicherheiten mehr. Keiner bürgt für ihn. Seinen Job ist er los.“

Ich nickte. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, dass Ventura nicht ganz allein Schuld daran war, dass die Dinge so schlecht für ihn standen. Anscheinend hatte Simon wirklich Gefallen an der Kleinen gefunden, wenn er sich so viel Mühe machte, ihn nachhaltig zu ruinieren. Aber genau genommen war es nicht meine Baustelle, wo Simon seine Frauen auftrieb. Der eigentliche Grund für meine Anwesenheit war ein anderer.

„Kommen wir jetzt zu den spannenden Fragen des Tages. Was gibt es so Wichtiges, dass du mich hergebeten hast?“ Während ich sprach, ging quer durch den Raum um Simon etwas zu Trinken einzuschenken, womit er den Schmerz in seinem Finger hinunterspülen konnte.

„Der Deal mit Bloomer ist für nächste Woche angesetzt. Bliebst du bis dahin?“

Ich drehte mich irritiert um. Das Zeitfenster war erheblich größer als ich angenommen hatte.

„Ich dachte, es wäre eilig. Warum hast du so einen Alarm gemacht?“

Simon und ich waren zwar Partner, hatten unser Geschäft jedoch in unterschiedliche Arbeitsbereiche aufgeteilt, so dass wir uns nicht ins Gehege kamen. Nur bei richtig großen Sachen traten wir gemeinsam auf. Der bevorstehende Deal mit Bloomer war so eine.

Charles Bloomer war Mehrheitseigner von SmashYou Consulting, eine Firma, die kurz davor stand, von uns geschluckt zu werden Die Übernahme war absolut legal, aber sie kostete uns die stolze Summe von einer halben Milliarde Dollar. Das war eine Größenordnung, in der selbst wir nicht alle Tage operierten, zumal mit einem solchen Geschäftsabschluss viele, meiner Ansicht nach ausgesprochen unangenehme Dinge in Bewegung gerierten: Die Presse wurde aufmerksam, andere Unternehmen versuchten sich einzuklinken oder auf andere Weise etwas von dem Kuchen abzubekommen und die Gerüchte kochten hoch, insbesondere dann, wenn Männer mit einem so zweifelhaften Ruf daran beteiligt waren wie wir. Alles in allem waren es heikle Zeiten, die uns bevorstanden und viel Fingerspitzengefühl erforderten.

Hinzu kam, dass Bloomer ein alter Kontrahent war, unser ältester um genau zu sein. Wie Simon und ich hatte auch er mehr als nur ein finanzielles Standbein, sondern arbeitete zweigliedrig. Seine legalen Unternehmungen, zu denen auch SmashYou-Consulting zählte, dienten zwar meist nur dazu, die weniger legalen wie Waffen- und Drogengeschäfte zu verdecken. Im Gegensatz zu uns produzierte er allerdings nicht, sondern setzte auf In- und Export. Und genau hier lag das Problem, denn das, was er ins Land brachte, nahm uns die Marktanteile weg. Wir lebten zwar im Zeitalter des Überflusses, aber die Leute schissen trotzdem auf Qualität, wenn sie dafür weniger bezahlen mussten – auch bei so gesundheitsschädlichen Luxusgütern wie Waffen und Drogen.

Seit zehn Jahren versuchten Bloomer und wir uns nun schon gegenseitig aus dem Geschäft zu drängen, aber erst jetzt ergab sich eine günstige Gelegenheit, das Problem ein für alle Mal aus der Welt zu räumen. SmashYou-Consulting, das Flaggschiff Bloomers legaler Unternehmen, ein dubioser Immobilienfond, war nicht mehr rentabel. Seit dem letzten Straucheln des Immobilienmarktes verlor dieser Zweig der Finanzwirtschaft an Beliebtheit. Bloomer liefen die Anleger weg und Simon und ich hatten alles daran gesetzt, dass er keine neuen auftreiben konnte. Und nun war es so weit, wir hatten ihn in die Ecke getrieben. Er musste unser Angebot annehmen, Insolvenz anmelden oder offenlegen, aus welchen Quellen er sein Unternehmen sonst finanzierte. Er war uns ausgeliefert. Die Presse hatte es sehr gut ausgedrückt, als sie heute Morgen getitelt hatte, die Schlachtung Bloomers stünde kurz bevor.

Bloomer selbst hielt sich bedeckt. Das anberaumte Treffen nächste Woche war der erste Kontakt seit fast einem Jahr.

„Wie hast du ihn dazu bekommen einzuwilligen?“, fragte ich.

Simon schaute von seinem Glas auf. „Ich habe ihn nicht gefragt.“ Ein verschlagenes Lächeln huschte über sein Gesicht. „Ich habe ihn herbestellt.“

Ich lachte. „Na, da wird er sich sehr gefreut haben. Und du meinst, er wird deiner Einladung Folge leisten?“ Ich konnte es mir nicht verkneifen, skeptisch meine Augenbraue hochzuziehen.

„Wir haben keine offizielle Terminbestätigung, aber er wird kommen. Glaub mir.“

Ich konnte Simons Optimismus nicht teilen und überlegte, ob ich ihn fragen sollte, warum er sich seiner Sache so sicher war, entschied mich aber dagegen. Ich würde ihn nicht infrage stellen, denn er machte für gewöhnlich keine halben Sachen. Zumindest war nun klar, warum er mich so früh gebeten hatte zu kommen, in den nächsten Tagen konnte so gut wie alles passieren.



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Kapitel 2

                                           

Ich stand am Fenster und beobachtete die Sonne, wie sie langsam im Meer versank. So ein schöner Anblick, aus so einer elenden Perspektive. Ich hielt wenig von Selbstmitleid, aber so langsam schmerzten meine Arme und meine Schultern fühlten sich an, als würden sie aus ihren Gelenken springen. Das Plastik schnitt sich in meine Haut und die Haltung war kaum mehr zu ertragen. Ich hatte versucht, mich hinzusetzten, dann hinzulegen, aber keine Position brachte die gewünschte Verbesserung, solange meine Arme auf meinem Rücken gebunden waren. Ich legte den Kopf in den Nacken. Irgendwann mussten sie die Fesseln ja abnehmen und ich hatte gewusst, dass das hier kein Spaziergang werden würde. Ich verfluchte Duffie. Ich wusste, dass es nicht allein seine Schuld war. Trotzdem wäre es nie so weit gekommen, wenn er sich nicht auf dieses Pack eingelassen hätte. 

Simon Harris war Abschaum. Mir wurde immer noch schlecht, wenn ich an seinen selbstgefälligen Gesichtsausdruck dachte, mit dem er mich begrüßt hatte. Und dabei hatte er keine Ahnung, wen er sich da ins Haus geholt hatte. Ich lächelte bei diesem Gedanken. Er beruhigte mich, verschaffte mir so viel Überlegenheit, dass ich den Schmerz in meinen Armen ertragen konnte und alles, was noch kommen würde – redete ich mir zumindest ein. Ich war selbst erstaunt, wie sehr mich die Wut vorhin in diesem Raum gepackt hatte. Vielleicht war ich schon zu lange raus aus diesem Milieu und hatte vergessen, wie es sich anfühlte unter Tieren zu sein. Vielleicht hatte ich mich so sehr an meine zivilisierte Tarnung gewöhnt, dass sie mir schon in Fleisch und Blut übergegangen war. Vielleicht war es voreilig, mich in dieses Spiel hineinziehen zu lassen. Das ruhige Gefühl verabschiedete sich bei diesen Gedanken wieder und sie hinterließen, auch nachdem ich sie verdrängt hatte, einen dunklen Schatten, der nicht abzuschütteln war.

Das Gesicht des anderen kam mir in den Sinn, desjenigen, der an der Wand gelehnt hatte. Ich kannte Alex Van Haaden nur dem Namen nach. Er verbrachte die meiste Zeit in Europa und ließ Simon die Drecksarbeit machen. Eigentlich waren die beiden Partner, aber man munkelte, dass es ein Ungleichgewicht in ihrer Beziehung gab. Schwer zu sagen, wie ich ihn mir vorgestellt hatte - so jedenfalls nicht. 

Während Simons Erscheinung mit den zurückgekämmten glatten schwarzen Haaren, dem etwas zu weit aufgeknöpften, etwas zu farbenfrohen Hemd und den mondänen Lederschuhen schon von Weitem schrie, ich bin ein Gangster, entsprach der andere ganz und gar nicht dem Bild, das ich von seiner Sorte Mensch hatte. Dabei war er genauso breit gebaut und muskelbepackt wie Simon, aber seine ruhiger beherrschte Art irritierte mich. Er hatte sich zurückgehalten vorhin, trotzdem hatte ich das unbestimmte Gefühl, als hätte er die Szene bestimmt. Obwohl er nichts gesagt hatte, verströmte er eine eigenwillige Intensität. Ganz besonders waren mir seine Augen im Gedächtnis geblieben. Zwar konnte ich mich kaum mehr an ihre Farbe erinnern, dafür war er zu weit entfernt gewesen, nur an diesen Ausdruck, mit dem er mich betrachtet hatte. Ganz anders als der in Simons, in seinem Blick lag dasselbe berechenbare sabbernde Verlangen, das ich in den Augen der meisten Männer, denen ich begegnete, lodern sah. Was ich in den Augen von Alex Van Haaden gesehen hatte, konnte ich nicht genau beschreiben, jedenfalls nichts Berechenbares. 

Ein Schauer lief mir über den Rücken, während ich mir den Ausdruck auf seinem Gesicht ins Gedächtnis rief, als ich Simon gebissen hatte. Als wäre die ganze Welt zu seiner privaten Unterhaltung gedacht und als wäre gerade ein besonders guter Film eingelegt worden. Ich schüttelte den Gedanken ab. Ich hoffte, er würde nicht lange bleiben. Bei dem, was kommen würde, war es mir lieber ein Gegenüber vor mir zu haben, bei dem ich erraten konnte, was er als nächstes tun würde. Simon war so ein Mann. Alex nicht. Ich kannte Männer wie ihn, sie waren wirklich gefährlich.

Als sich ein bisschen später die Tür öffnete, zuckte ich nicht einmal zusammen. Ein schweres und etwas zu süßliches Rasierwasser stieg mir in die Nase und ich wusste, dass es Simon war, der hinter mich trat. 

„Haben wir uns beruhigt?“, fragte er. Seine Stimme war leise, beinahe nur ein Flüstern. 

Natürlich wusste ich, was ihn hertrieb. Es war nicht das erste Mal, dass ich mit jemandem schlief, weil ich musste oder einen bestimmten Zweck verfolgte und in diesem Fall traf beides zusammen. Wobei ich vorhatte, das Ganze so lang wie möglich hinauszuzögern. Ich zwang mich, meine Mundwinkel zu entspannen, bevor ich mich umdrehte und ihm das bezauberndste Lächeln schenkte, das ich zu bieten hatte. 

„Schmerzt der Finger?“ Meine Stimme war süß und schmeichelnd und ich achtete darauf, den Abstand zwischen uns so gering wie möglich zu halten. 

„Vorsicht“, raunte er. Mit dem Zeigefinger, auf dem noch der Abdruck meiner Zähne prangte, strich er über meine Kehle, während sich die übrigen Finger um meinen Hals schlossen. „Nicht frech werden, sonst fällt die Strafe härter aus, als ich gerade möchte.“

Ich lächelte süß und unschuldig, gleichzeitig erschauderte ich unmerklich. Ich weiß, was ich hier tue, ich habs unter Kontrolle, wiederholte ich unablässig, während ich den Kopf zu seinem geschundenen Finger neigte und die Absicht anzeigte, mich für meine Attacke zu entschuldigen. Ein Funke loderte in seinen Augen auf, als er seinen Finger so weit hob, dass meine Lippen ihn berühren konnten. Ich schaute ihn direkt an und fesselte seinen Blick. Ich öffnete meinen Mund, tippte mit der Zungenspitze gegen seine Haut. Der Funke intensivierte sich, ich lächelte in mich hinein und fuhr sanft die Abdrücke meiner Zähne nach. Zu guter Letzt ließ ich seinen ganzen Finger in meinem Mund verschwinden. Er war breit, rau und schmeckte herb. Ich schaute ihm immer noch direkt in die Augen, als ich langsam zu saugen begann. Wenn er sich weiter so verhielt wie jetzt, sich ohne es zu merken, von mir führen ließ, dann würde ich diese Nacht und alle folgenden überstehen. 

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Kapitel 3

 

Es war schon spät am nächsten Morgen, beinahe Mittag, als Simon zu mir auf die Terrasse kam. Und er war in überraschend guter Stimmung. Ich hatte das Gesicht hinter meinen Laptop vergraben, als ich seine Schritte hörte, und war ehrlich verwundert, als ich aufsah und in seine entspannte und hochzufriedene Miene schaute. Ich hatte insgeheim damit gerechnet, dass er ein zerkratztes Gesicht, oder zumindest schlechte Laune haben würde, aber offenbar hatte ich mich getäuscht. Offenbar war die kleine Wildkatze williger gewesen, als ich erwartete hatte. Ich klappte den Laptop zu und lehnte mich zurück. Ich war ungelogen neugierig.

Simon wünschte mir einen guten Morgen und setzte sich mir gegenüber. Ich grinste ihn etwas zweideutig an, schenkte mir aber jedes weitere Nachfragen. Ich wollte keine Details hören, zumal ich mir den groben Ablauf anhand seiner Körpersprache und dieses verklärten Grinsens selbst zusammenreimen konnte. 

Was seine Definition von >Morgen< anging, konnte ich nur schmunzeln. Es war elf Uhr und ich war bereits seit fünf Stunden auf den Beinen. Ich war ein Stück am Strand gelaufen, hatte trainiert und war anschließend geschwommen. Seitdem arbeitete ich. Wenn Simons Tag begann, war meiner meistens schon fast gelaufen. Aber solange er die Dinge im Griff hatte, würde ich mich jeden Kommentars enthalten. 

„Ich fahr gleich runter in die Stadt, ein paar Sachen erledigen. Kommst du mit?“ Simon war kaum zu verstehen, auf so viel Brötchen kaute er herum, während er sprach. 

Ich schüttelte den Kopf. „Ich muss noch was arbeiten. Später vielleicht.“

Simon nickte und wendete sich wieder seinem Frühstück zu und ich mich meinem Laptop. Wir schwiegen, bis Simon irgendwann aufstand, >bis später<, brummte und verschwand. Drei der Gorillas folgten ihm. Er wollte also auch arbeiten. Ich grinste. 

Ein bisschen erschien es mir hier wie Urlaub. Das dachte ich jedes Mal, wenn ich zu Besuch war. Im Gegensatz zu London, wo ich die meiste Zeit verbrachte, war es hier geradezu paradiesisch. Obwohl ich eigentlich geplant hatte, nur kurz zu bleiben, kam es mir gar nicht so schlimm vor, dass sich meine Abreise nun verzögern würde. 

Ich war ganz in Gedanken, als ich die kleine Wildkatze ihren Kopf durch die Tür stecken und ihn schnell wieder zurückziehen sah.

„Warte“, forderte ich sie auf. 

Zögernd hielt sie inne und drehte sich wieder um. Sie folgte zwar meiner Aufforderung, trotzdem konnte ich die Widerwilligkeit in ihren Augen sehen.

Sie trat einen Schritt auf mich zu, etwa bis sie die Mitte der Terrasse erreicht hatte, dann hielt sie inne. Obwohl es mir im ersten Moment so schien, als wäre es ihr unangenehm, mir direkt in die Augen zu schauen, tat sie es nun und betrachte mich mit einem festen, beinahe stoischen Blick. 

„Komm näher“, bat ich sie. „Ich beiße nicht.“ Mein Witz schaffte es nicht einmal, ihr ein Schmunzeln zu entlocken. 

Immerhin kam sie tatsächlich etwas näher, blieb aber in gebührendem Abstand vor dem Tisch stehen. 

„Simon ist nicht da, falls du ihn gesucht hast. Setz dich, iss einen Happen.“ 

Ich konnte sehen, dass sie gehofft hatte, ich würde sie genau dazu nicht auffordern. Ich neigte den Kopf leicht zur Seite und betrachtete sie unschlüssig. Mit Simon konnte sie schlafen, aber der Gedanke mit mir zu frühstücken, machte sie nervös. Ich verscheuchte meine Überlegungen. Wahrscheinlich war sie gestern Nacht nicht weniger nervös gewesen, es hatte Simons guter Laune nur einfach keinen Abbruch getan. 

Sie ließ die Schultern sinken, als würde sie aufgeben, seufzte und setzte sich. Sie schüttelte den Kopf, richtete ihre Schultern gerade auf und schlug die Beine übereinander. Es kam mir fast so vor, als machte sie sich kampfbereit. Ich schenkte uns Kaffee ein und lehnte mich meinerseits weit zurück. 

„Wissen Sie, ich kenne Ihren Mann.“

„Ach ja?“ Der Klang ihrer Stimme traf mich erneut vollkommen unvorbereitet. Ohne es zu wollen, stellte ich mir vor, wie sie vor mir auf den Tisch lag und mit dieser Stimme meinen Namen stöhnte.

„Ja, und seit ich Sie gesehen habe, rätsle ich, wie Duffie Ventura zu einer Frau wie Ihnen gekommen ist.“

Es dauert zu lange, bis sie lächelte. Zuvor zuckte sie bei meiner Frage regelrecht zusammen. Dies war das erste Mal, dass ich mich wunderte, aber bei Weitem nicht das letzte Mal.

„Bringen Sie allen unfreiwilligen Gästen Ihres Freundes so viel Interesse entgegen?“, wich sie meiner Frage aus.

„Nein, nur denen, die mich interessieren.“

„Ich interessiere Sie?" Sie lächelte, während sie sprach, bleckte aber die Zähne dabei. Ich kannte diese Sorte Lächeln von mir selbst. Es war eine Art Angriffslächeln, nur dazu gedacht, eine zivilisierte Fassade aufrechtzuerhalten, während man in Gedanken seinen Gegenüber vierteilte.

„Es interessiert mich immer, wenn plötzlich eine neue clevere Figur im Spiel auftaucht. Auch wenn sie hübsch ist und keine Waffe trägt.“

Für den Bruchteil einer Sekunde dachte ich, sie würde blass, aber sie fing sich wieder und erwiderte meinen Blick selbstsicher. „Es ist ganz einfach, lassen Sie mich laufen, dann sind Sie mich los.“

Ich lachte, sie war witzig. In der Sonne schimmerte das Schwarz ihrer Haare rötlich und die um ihre Nase verteilten vereinzelten Sommersprossen leuchteten auf. 

„Vergessen wir das. Was tun Sie mit Ihrem Leben normalerweise?“

Sie betrachtete mich einen Moment, so als würde sie nach dem Grund für meinen Themenwechsel forschen. 

„Ich unterrichte an einer Highschool Englisch und Sport.“

Nun hatte sie es geschafft, ich verschluckte mich an meinem Kaffee. „Sie verarschen mich.“

„Nein, überhaupt nicht.“

„Und trotzdem sitzen Sie hier vor mir.“

„Mein Mann ist Anwalt, ich bin Lehrerin. Was ist daran so verblüffend.“

„Wenn ich als Junge eine Lehrerin wie Sie gehabt hätte, wäre mir vermutlich der Schwanz explodiert.“

Sie lachte, dieses Mal ohne zu zögern, laut und ehrlich. Ein anziehendes Geräusch. 

„Und Simon hat Ihnen erlaubt, sich hier frei zu bewegen?“ Ich deutete auf ihre schlanken Hände, mit denen sie sich gerade den Bauch hielt.

„Er hat zumindest die Tür offengelassen, als er gegangen ist und mir vorgeschlagen, schwimmen zu gehen.“

„Hat er das? Nun, dann würde ich vorschlagen, Sie tun das.“

Das Lachen wich von ihren Lippen und ein ernster Ausdruck kehrte zurück. „Hab ich Sie mit irgendetwas geärgert?“

Sie war nicht nur eine schöne, sondern auch noch eine außergewöhnlich feinfühlige Lehrerin. 

„Nein, ich muss aber noch arbeiten und ich habe Sie so wie so gezwungen, mir Gesellschaft zu leisten.“

Sie lächelte. „Nur ein kleines bisschen.“

Die schwarze, beinahe durchsichtige Tunika, die sie trug, flatterte im Wind, als sie die Stufen zum Garten hinunter stieg. Ich schaute ihr nach und wartete ab, bis sie außer Hörweite war, dann zückte ich mein Handy.

„Morgen, Boss.“ Coco klang verschlafen, was mich nicht weiter wunderte. Kaum war die Katze aus dem Haus, tanzten die Mäuse auf dem Tisch.

„Raus aus dem Bett“, motzte ich. „Ich will, dass du etwas für mich herausfindest und vielleicht sogar herkommst. Ich bin mir noch nicht sicher.“

„Was ist denn los?“

„Hier ist ein Mädchen angekommen. Tess Ventura. Ihr Mann heißt Duffie Ventura. Sie behauptet, sie sei Highschoollehrerin. Ich will alles wissen, was du über sie finden kannst.“

„In Ordnung Boss, ich mach mich gleich daran.“

Ich legte auf und sah wieder zu Tess Ventura hinunter. Sie war am Strand angekommen. Die Tunika lag im Sand – ein zerknüllter Haufen Stoff - und sie war im Wasser. Nackt. Es umspülte ihre Knie und war anscheinend kalt, denn sie wartete damit, weiter hineinzugehen, als müsste sie sich erst an die Temperaturen gewöhnen. Sie hatte lange Beine, eine schmale Taille und volle runde Brüste, von denen sich ihre Nippel hart abzeichneten. Ihre Haare tanzten im Wind. Ich glaubte, zu sehen, dass sie lächelte, aber sie war zu weit entfernt, als dass ich es genau hätte sagen können. Dann tat sie zwei schnelle Schritte, sprang und tauchte kopfüber in die Wellen. Es dauerte, bis sie wieder auftauchte, sich die nassen Haare aus dem Gesicht strich und sich aufrichtete. Das Wasser reichte ihr nun bis zum Bauch. Die Sonne brach sich in den Tropfen, die von ihrer goldenen Haut perlten und ihre Nippel hatten sich noch fester zusammengezogen. 

Ich sah mich um, Simon hatte ungefähr zwanzig Männer hier. Von denen waren drei in meiner Sichtweite und alle drei starrten auf Mrs. Ventura, wie sie erneut in den Wellen versank. 

Wenn diese Frau nichts weiter als eine brave Lehrerin war, sollte ich vielleicht auch in Erwägung ziehen, einer zu werden. Denn in diesem Fall wäre ich absolut nicht zu meinem Job befähigt.

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Kapitel 4

 

Charles Bloomer hatte sich weit in seinem Stuhl zurückgelehnt. Die Zigarre dampfte vor sich hin, und weil er kein Fenster geöffnet hatte, hingen dichte blaue Rauchschwaden in der Luft. 

Er war ausgerastet, als er vor ein paar Tagen diese mehr als anmaßende Nachricht von Simon Harris diesem Bastard bekommen hatte. Es war lange her, seit er das letzte Mal vergleichbar die Beherrschung verloren hatte. Und seiner Unbeherrschtheit hatte er es zu verdanken, dass er sich nun eine neue Sekretärin suchen musste. Seine alte, Marie, hatte nie ein Problem damit gehabt, wenn er Stühle zerbrochen oder mit Gläsern geschmissen hatte. Sie hatte nur den Kopf zur Tür herein gesteckt, missbilligend über die Gläser ihrer Brille geschaut und hatte gewartet, bis er sich beruhigt hatte. Nun war sie in Rente und er verzweifelt. Mit diesen jungen Dingern war absolut nichts anzufangen, in keiner Beziehung. 

In Sachen Simon Harris war ihm zu guter Letzt die zündende Idee doch noch gekommen. Es war allerdings kein sicherer Plan, er brauchte etwas Glück, damit alles reibungslos verlief. Glück und mehr Zeit. 

Trotzdem war er optimistisch. So optimistisch, dass er sich erlaubte, in Vorfreude über seinen kommenden Sieg zu schwelgen. Er würde diese beiden Emporkömmlinge zerquetschen, und sie würden nicht einmal wissen, wie ihnen geschah. Diese Kinder glaubten im Ernst, ihn so leicht in die Knie zwingen zu können. Aber da hatten sie sich getäuscht. Es war nur zu seinem Vorteil, wenn sie sich zunächst in Sicherheit wähnten. Er ging fest davon aus, dass er nicht mit ihrem Argwohn rechnen musste. Ihrer Ansicht nach stand er mit dem Rücken zur Wand und er würde sie in dem Glauben lassen. Derweil würden die kleinen Rädchen, die er in Gang gesetzt hatte, ineinandergreifen, und bevor sie richtig wussten, wie ihnen geschah, würde sich das Blatt wenden. Und er, Charles, würde derjenige sein, der als lachender Sieger aus diesem Kampf hervor ging. 

Madeline, die Aushilfssekretärin, die ihm die Agentur geschickt hatte, traute sich nicht in sein Büro. Vermutlich hatte die andere sie vorgewarnt. Sie hatte es nicht mal eine Woche bei ihm ausgehalten und er hatte seinen Namen schon wieder vergessen. Wenn Madeline etwas wollte oder brauchte, erfragte sie es über die Gegensprechanlage, die nun piepte und ankündigte, dass es mal wieder so weit war. Er ignorierte das Piepen und stellte sich vor, wie Madeline sich in seinem Vorzimmer wand und versuchte, sich dazu durchzuringen, einfach die die Tür zu seinem Büro zu öffnen. Es war lächerlich.

„Bewegen Sie ihren dürren Arsch hier rein, wenn Sie etwas wollen.“ Er wusste, er war laut und auch, dass er der Kleinen so vermutlich noch mehr Angst einjagte, aber er war der Ansicht, dass Menschen, die sich so leicht von anderen einschüchtern ließen, auch nichts Besseres verdient hatten. Er hatte nichts übrig für Schwäche, obwohl sie ihn bisweilen amüsierte - allerdings nicht, wenn sie sich in seinem Vorzimmer manifestierte und er dadurch mit seiner Arbeit nicht vorankam.

Madeline erschien, den Blick auf ihre Füße geheftet. 

„Was möchten Sie, Sir?“, presste sie zwischen ihren Lippen hervor.

„Sagen Sie mal, soll das jetzt so weiter gehen? Reißen Sie sich zusammen oder verschwinden Sie. Wenn Sie sich für Ersteres entscheiden, holen Sie mir meine Nichte ans Telefon.“

Ohne etwas zu sagen, schloss sie die Tür wieder. Charles raufte sich die Haare. Nun wusste er nicht, ob sie hinschmiss oder ihn verbinden würde. Natürlich hätte er die Nummer auch selbst wählen können, aber diese komplizierten langen Mobilfunknummern passten ihm nicht. Schon gar nicht, wenn sie wie in diesem Fall ständig wechselten. Er wusste, diese Maßnahmen waren aus Sicherheitsgründen notwendig, dennoch war es ihm lästig.

Als sein Telefon surrte, verfluchte er das Weibsbild in seinem Vorzimmer wieder, drückte aber auf Annehmen.

„Du sollst verdammt noch mal nicht anrufen“, fauchte die Stimme seiner Nichte. Bevor er etwas sagen konnte, knackte es und die Verbindung war unterbrochen.

Er betätigte die Gegensprechanlage. „Verbinden Sie mich noch einmal.“

Dieses Mal piepte es nicht einmal mehr. Seine Nichte hatte ihr Telefon ausgestellt. Sie war ebenso stur wie seine Frau. Sie war das Kind seiner Schwester, aber er und Dalia hatten sie großgezogen. Und das hatte er nun davon, dass er so großzügig gewesen war, das Balg bei sich aufzunehmen, ihm wurde einfach so mitten im Gespräch aufgelegt. 

„Verbinden Sie mich mit Buster“, blaffte er wieder in die Gegensprechanlage.

"Ja, Sir“, erwiderte Madeline.

Es dauerte eine Weile, bis Buster sich meldete, aber wenigstens konnte Charles sich sicher sein, dass er sich meldete. Immer. Auf Buster war stets Verlass.

„Ich will, dass du darauf achtgibst, dass meine Nichte macht, was sie soll.“

„Ich weiß, Sir.“

Charles hatte nicht vergessen, dass er Buster schon mehrmals darauf hingewiesen hatte, aber er war nervös im Augenblick. An dieser Sache hing so unglaublich viel. Er konnte nicht riskieren, dass irgendetwas schief lief. Ansonsten würden diese Kinder am Ende doch noch gewinnen und diesen Gedanken konnte Charles als der stolze Mann, der er war, absolut nicht ertragen.

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Kapitel 5

Als Simon nach hause kam strahlte er bis über beide Ohren. Er bewegte sich schnell und gestikulierte wild, während er sich der Terrasse näherte, auf der ich immer noch saß und mir den Wind um Nase wehen ließ. Es war offensichtlich, dass er Neuigkeiten mitbrachte, über die er sich freute. Er nahm die letzten Stufen beinahe hüpfend und ließ sich dann in einer schwungvollen Bewegung neben mir nieder. Ich betrachtete ihn für einen Moment, ich stand allen Neuigkeiten, die sich unter den derzeitigen Bedingungen ergaben, skeptisch gegenüber.

„Der Asiate ist in der Stadt und sieht sich um.“ In Simons Augen leuchtete ein enthusiastisches Glitzern.

„Du meinst Sao?“

Simon nickte. 

„Mmh.“

„Warum sagst du nur >Mmh<? Er kauft normalerweise immer bei Bloomer. Wenn er es dieses Mal auch vor hätte, dann hätte er niemals das Gerücht seiner Anwesenheit in Umlauf gebracht. Er sieht sich nach neuen Bezugsquellen um. Das ist vielleicht unsere Chance.“

Der Asiate war einer der größten Zwischenhändler für Waffen aller Art. Er war zwar sauteuer, dafür konnte sein Klientel sich sicher sein, für immer in der Namenslosigkeit zu verschwinden. Was ihn als Kunden für uns wirklich interessant machte, war die Tatsache, dass er grundsätzlich in Massen einkaufte, mit denen kein Rebellenführer dieser Welt mithalten konnte. Er war Bloomers größter Kunde. Ihn und zusätzlich sein Flaggschiff zu verlieren, dürfte Bloomers Schmach um ein Vielfaches erhöhen. Auf der anderen Seite hielt ich es für einen ungünstigen Zeitpunkt, neue geschäftliche Verbindungen dieser Größenordnung einzugehen. Sao war zwar meiner Ansicht nach nicht die Idealbesetzung für ein Trojanisches Pferd, aber ich hielt es zumindest für denkbar, dass Bloomer diesen Strohhalm ergreifen würde und einen Deal mit Sao inszenierte, bei dessen Abschluss vermutlich jeder verdammte Polizist des ganzen Landes auf mich warten würde. Ich an seiner Stelle würde so handeln. Wenn Sao sich dagegen tatsächlich nach neuen Verbindungen umsah, dann war ich ein Idiot, wenn ich mir dieses Geschäft durch paranoide Gedanken kaputt machte. 

„Hast du irgendetwas unternommen?“, fragte ich Simon.

„Warum machst du so ein finsteres Gesicht? Hast du mir überhaupt zugehört?“

„Du findest den Moment, in dem dieses Angebot kommt, nicht auch etwas seltsam?“

„Nein, jeder weiß, dass Bloomer untergeht. Jemand wie Sao wartet doch nicht so lange ab, bis seine Quelle endgültig versiegt ist. Ich hab natürlich unsere Gesprächsbereitschaft zu verstehen gegeben.

„Oder es ist ein beschissener Köder.“

„Du meinst von Bloomer?“ Simon schaute mich an, als sei ich auf dem besten Wege den Verstand zu verlieren.

„Alter, du siehst Gespenster. Der Greis ist Geschichte, auch wenn er es vielleicht noch nicht akzeptiert hat, da gebe ich dir recht. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Sao noch nach seiner Pfeife tanzt. Wenn er es überhaupt je getan hat.“

„Mmh“, brummte ich.

„Alter, was soll dieses verdammte >Mmh<?“

„Mir reichen keine Wahrscheinlichkeiten. Wir setzten ein mögliches Gespräch mit Sao aus, bis die Sache mit Bloomer gelaufen ist.“

„Die Gerüchte sagen auch, Sao hätte es eilig.“ 

„Ein Grund mehr, uns Zeit zu lassen.“

„Verdammt, ist dir klar, wie viel Geld wir uns möglicherweise entgehen lassen?“

„Ist mir klar, wir machen es aber trotzdem so. Und damit basta.“

„Bist du jetzt der Chef?“

„Wir haben abgemacht, in dem Fall, dass wir unterschiedlicher Ansicht sind, warten wir ab.“

„So einen Scheiß haben wir nie abgemacht.“ Simon fletschte beim Sprechen die Zähne. 

„Willst du sagen, ich denke mir das aus?“ Ich schaute ihn mit unveränderter Miene fragend an. Es wäre das erste Mal, dass Simon nicht klein beigab. Und ich sollte recht behalten, er hielt unser Blickduell kaum eine Minute durch, dann stand er auf und schlug die Tür wie trotziges Kind hinter sich zu. Ich sah ihm eine Weile nach, dann griff ich nach meinem Handy. Coco sollte sich verdammt noch mal beeilen.  

Simon und ich kannten uns von der Uni. Er hatte genau wie ich tausend Sachen studiert und keine davon richtig. Ein häufiger Wechsel des Studienganges rechtfertigte es, keine Finger zu rühren. Als wir uns trafen, wussten wir beide auf den ersten Blick, dass wir zusammen Scheiße bauen würden. Wir haben uns in den Augen des anderen selbst wiedererkannt, vermutete ich. Ungefähr ab diesem Zeitpunkt war es mit der Uni endgültig vorbei. Wir waren nur noch auf dem Campus um Drogen zu verticken. Was ziemlich gut lief und sich ausdehnte. Nach und nach wurden wir richtig professionell, bauten unser Angebot aus und gewannen Kunden über den Campus hinaus. Soweit ich mich erinnern konnte, waren wir seit dieser Zeit bis heute nie wirklich unterschiedlicher Meinung gewesen und zwar ohne, dass sich dabei der eine den Ansichten des anderen besonders angepasst hätte. In letzter Zeit kam es jedoch häufiger vor, dass wir wegen Kleinigkeiten diskutierten. Und nun fragte er mich, ob ich plötzlich der Chef sei. Ich schüttelte den Kopf, das war nicht der Zeitpunkt für Machtkämpfe und Simon war ein verdammter Idiot, wenn ihm das nicht klar war.

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Kapitel 6

Sie stritten sich, ich konnte es an ihren Gesichtern sehen. Zu gern hätte ich gehört, worum es ging. Stimmten die Gerüchte und die beiden rangelten um die Führung oder ging es nur um irgendeine Kleinigkeit? Ich wusste nur zu gut, dass diese Sorte Mann ständig das Bedürfnis hatte, sich zu behaupten und bei jeder sich bietenden Gelegenheit zeigen musste, wer Chef im Ring war. Ich presste meine Nase noch etwas dichter an die Scheibe. Ich hatte ein Fenster gefunden, dass in einem solchen Winkel zur Terrasse lag, dass ich noch knapp erkennen konnte, was dort vor sich ging, aber mich keiner sehen konnte – hoffte ich zumindest.

Als ich Schritte hörte, schreckte ich zusammen und duckte mich in die nächste Ecke. Ich glaubte, dass es einer von Simons Schlägern war, der kommen würde. Es war jedoch Simon selbst und er schien auf direktem Wege zu meinem Zimmer zu sein. Ich fluchte leise in mich hinein. Er würde ganz sicher schneller dort sein als ich. Zumal er mich hier am Fenster nicht sehen durfte, sonst würde er noch die richtigen Schlüsse ziehen und ich hatte wirklich keine Lust, aufzufliegen oder mich auch nur mit seinem Misstrauen herumzuschlagen. Ich beobachtete, wie er meine Zimmertür öffnete. Einer Eingebung folgend huschte ich aus meinem Versteck und schlich in einen angrenzenden Raum, von dem ich wusste, dass es ein Badezimmer war. Ich machte kurz den Wasserhahn an, dann schloss ich die Tür lautstark und betrat ebenfalls mein Zimmer. 

„Hallo“, sagte ich und Simon drehte sich um. Ich erschrak, als ich sah, wie es in seinen Augen blitzte. Er war wütender als ich es aus der Ferne hatte erkennen können. Ich schluckte.

„Wo warst du?“ blaffte er.

„Im Badezimmer, dort auf dem Flur.“

„Warum, wenn du hier ein Bad hast?“

„Weil ich von draußen hereingekommen bin. Soll ich es nicht benutzen?“ Ich war ratlos und hoffte nur, er würde nicht noch wütender werden oder auf den Gedanken kommen, sich an mir abzureagieren. Wenn er nicht so wie so genau aus diesem Grund hier war.

Plötzlich änderte sich jedoch sein Gesichtsausdruck, er setzte sich aufs Bett und klopfte neben sich auf die Matratze. Vorsichtig folgte ich seiner Geste und setzte mich neben ihn.

„Denkst du, ich bin ein unvorsichtiger Mann?“, fragte er und hob eine Hand um durch meine Haare zu streichen.

„Ich weiß es nicht“, erwiderte ich. „Ich kenne dich nicht.“

Wieder funkelte es in seinen Augen zornig aus. Ich ahnte, dass ich keine Antwort geben konnte, die ihm gefiel. „Ich schätze dich schon so ein“, versuchte ich dennoch mein Glück.

„Ach nein, tust du das? Dreh dich um.“ Während er sprach packte er meine Hüften, zog mich an sich und presste meinen Po gegen seinen Schwanz. Er war längst steinhart, das spürte ich. Er zog meinen Rock hoch, was kein Kunststück war, denn er war weit und aus dünnem, schon beinahe durchsichtigem Stoff und riss mir das Höschen runter. Mit einem einzigen heftigen Stoß versenkte er sich in mir. Ich war nicht feucht und es schmerzte. Ich bemühte mich an irgendetwas zu denken, das mich anmachte, aber er stieß so schnell und kräftig zu, dass ich mich nicht konzentrieren konnte. Nach wenigen Stößen begann er zu schnaufen, noch einen Stoß später kam er tief in mir.  Er sackte auf mir zusammen und ich spürte ihn nur noch leicht in mir zucken. Ich witterte eine Chance. Langsam drehte ich mich unter ihm, küsste ihn und zog ihn an mich. 

„Darf ich dich etwas fragen?“, begann ich.

„Natürlich.“

„Was hast du nun mit mir vor?“ Ich glaubte nicht, dass er direkt darauf eingehen würde, aber ich hoffte, so eine weitere Frage rechtfertigen zu können, die er dann vielleicht eher bereit war, mir zu beantworten.

„Ich habe nicht die geringste Ahnung, Schätzchen. Ich habe definitiv anderes im Kopf im Augenblick“, erwiderte er und nahm eine meiner Brustwarzen zwischen seine Zähne und knabberte daran. 

„Du meinst, weil du vorhin so wütend warst?“ Ich tastete mich vorsichtig weiter vor.

Ein sanfter Biss war die Folge und ich keuchte, es tat zwar nicht richtig weh, aber es zuckte durch meinen Körper. 

„Du bist ganz schön aufmerksam, Süße. Aber ja, genau deswegen habe ich den Kopf gerade zu voll, um zu entscheiden, was ich mit dir anstelle.“ Er klopfte auf meine Pussy und schob einen Finger in mich. „Hast du etwa auch den Eindruck, dass ich jemand bin, der nicht weiß, was er tut.“ 

Ich schüttelte den Kopf. „Nein, ganz sicher nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand auf so einen Gedanken kommt.“ Ich wimmerte angemessen, dafür dass er einen weiteren Finger in mich steckte.

„Und du wirst mir sicher auch zustimmen, dass ich ein Mann bin, der den richtigen Augenblick für sein Handeln abschätzen kann.“ Während er sprach, begann er, beide Finger tief in mir gegeneinander zu bewegen. Ich stöhnte meine Zustimmung und feixte innerlich. Er redete einfach weiter, erzählte mir genau, was ihn wütend gemach hatte und vermutlich mehr oder weniger das, was Alex im draußen auf der Terrasse zu verstehen gegeben hatte. Die Frage war nur bezüglich was Simon handeln wollte und Alex nicht. 

„Beim Ficken jedenfalls, weißt du genau, wie und wann du handeln musst“, flötete ich und hoffte, er würde klarstellen wollen, dass dies auch für alle anderen Belange galt. 

Er sah mich an, hielt einen Moment inne und ich glaubte schon, ich wäre zu weit gegangen. 

„Was denkst du denn?“, donnerte er stattdessen.

„Rein gar nichts, das ist bloß die einzige Beziehung, in der ich es beurteilen kann“, reizte ich ihn weiter.

„Ich kenne die verdammten Gerüchte, auf die du anspielst.“

Ich starrte ihn an. Dass er so direkte Schlüsse zog, hatte ich nicht vermutet und auch nicht gewollt. Ich war nicht erpicht darauf, ihn wieder wütend zu machen.

„Ich habe keine Ahnung, wo von du sprichst.“

„Ach nein? Sieh zu, dass du das nächste Mal vor Nässe triefst, wenn ich zu dir komme, verdammte Schlampe.“ Er klatschte mit der flachen Hand auf meine Pussy, stand auf und knallte die Tür hinter sich zu. 

„Bitte, nicht abschließen“, flehte ich leise und atmete erleichtert durch, als das gefürchtete Geräusch ausblieb.

Das war gut gelaufen, beschied ich mir selbst. Ich wusste nun, dass Simon wenn er nicht sogar auf Alex eifersüchtig war, zumindest nicht glücklich mit dem Bild war, dass die Öffentlichkeit über die Machtverteilung in ihrer Beziehung hatte. Er sah sich als der Unterlegene wahrgenommen und das nagte an ihm. Die erste Schwachstelle hatte ich somit gefunden.

 

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Kapitel 7

“Sie ist sauber, Boss.” Coco ließ sich auf den freien Sessel neben mir fallen und schlug die Beine übereinander. In derselben Bewegung schob er mir einen USB-Stick über den Tisch. 

Ich betrachtete den Stick, dann den Mann mir gegenüber. Der Tag, an dem ich Coco angeheuert war ein Glückstag. Er war auf vielen Gebieten der Beste, den man kriegen konnte, zudem konnte er eigenständig denken und, was das Wichtigste war, er war bedingungslos loyal. Wir arbeiteten seit bald fünfzehn Jahren zusammen und ich hatte mich immer auf ihn verlassen können. Was er nun sagte, fiel mir jedoch schwer zu glauben. Ich hielt große Stücke auf meine Menschenkenntnis und wenn Tess Ventura >sauber< war, dann wollte ich einen Besen fressen.

Ich griff nach dem Stick und drehte ihn in der Hand. „Du hast alles gecheckt?“

„Ich habe den üblichen Backgroundcheck durchgeführt. Sie hat den langweiligsten Lebenslauf, den man sich vorstellen kann. Sie ist in der Vorstadt aufgewachsen, wo die Eltern immer noch leben. Sie ist das einzige Kind. Die Eltern waren beide Beamten, sind nun im Ruhestand und züchten Gartenzwerge. Nach der Uni hat sie an einer Highschool angefangen zu unterrichten und vor fünf Jahren hat sie dann Duffie Ventura geheiratet. So weit ich das überblicken kann, die einzige eigenartige Entscheidung, die sie jemals getroffen hat.“

„Hast du mit den Eltern gesprochen, mit ihren Lehrern oder ihrer ersten Arbeitsstelle? Ihr Bild durch die gängigen Datenbanken geschickt?“

„Was ist so besonders an der Frau, dass sie dich so interessiert?“

Ich lachte. „Außer, dass sie aussieht, als sei sie einer Fantasie für böse Jungs entlaufen, gibt mir ihre Art aufzutreten zu denken. Im Grunde ist sie Simons Gefangene und sie geht mit der Situation verdächtig gut um.“

Coco sah mich zweifelnd an. „Vielleicht verspricht sie sich etwas davon. Vielleicht glaubt sie, sie vögelt einen reichen Typen und kann im Verhältnis zu diesem Duffie aufsteigen. Wenn er so eine Flachzange ist, wie du es sagst, dann fände ich so ein Verhalten durchaus nachvollziehbar.“

„Hab ich nach deiner verdammten Meinung gefragt oder danach, was genau du alles gecheckt hast, als du ihre Vergangenheit durchleuchtet hast?“

„Du hast echt beschissene Laune.“ Coco hob abwehrend die Hände. Eine Geste des Friedens. „Ich hab bisher mit niemandem gesprochen. Ich hab ein paar ein Leute angerufen und ihren Namen sowie ihr Bild durch die Datenbanken gejagt. Das Ergebnis kennst du. Ich häng mich aber gern nochmal dran.“

„Du kannst dich auch gleich an noch etwas anderes hängen. Und zwar schaut sich Sao nach neuen Lieferanten um.“

„Der Asiate?“, unterbrach Coco mich, seine Züge hatten sich verdunkelt. Immerhin ein Punkt, in dem ich meine Sorgen nicht erklären musste.

„Ich will wissen, wie seine Verbindung zu Bloomer im Augenblick ist. Hör dich um, ich will jedes Gerücht. Wer macht ihm Angebote und mit wem redet er. Es ist sehr gut möglich, dass Bloomer eine kleine Falle plant. Ist dem nicht so, will ich Sao als Kunden. Aber ich muss mir sicher sein. Fehler sind gerade absolut nicht drin.“ Ich wusste, es war unnötig, Coco darauf aufmerksam zu machen, aber ich betonte lieber einmal mehr, wie wichtig Vorsicht und Wachsamkeit im Augenblick waren, als einmal zu wenig. Wir tanzten gerade auf einem Vulkan und wenn einer von uns nicht aufpasste, wo er hintrat, würde er alle mit in den glühenden Abgrund reißen.

Das Problem war das leise Stimmchen in mir, dass mir sagte, ich musste mehr auf Tess aufpassen als auf Sao. Nur leuchtete mir selbst nicht ein, warum es so war. 

„Sieh sie dir gleich mal an, ich will deine Meinung wissen.“ Ich sah, dass Coco einen Moment brauchte, bis er verstanden hatte, dass ich wieder von Tess sprach. 

„Sie muss ja wirklich etwas besonders sein“, erwiderte er in zweifelndem Ton und bleckte die Zähne.

Der nächste der mir signalisierte, dass ich mir grundlos Gedanken um diese Frau machte, der riskierte es, drei Meter unter der Erde zu enden. 

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Kapitel 8

Keiner war da, die Villa war verlassen wie ein Geisterschloss im Sonnenschein und ich fragte mich schon den ganzen Morgen, wo sie alle waren. Lediglich zwei der Gorillas hatten sie da gelassen - vermutlich um aufzupassen, dass ich keine Scheiße baute. Wobei mir beim besten Willen nicht einfallen wollte, was ich hier anstellen sollte. Beinahe jede Tür im Haus war verschlossen und die Schlösser waren allesamt nicht leicht zu knacken. Außerdem hatte ich festgestellt, dass Simon total paranoid war, denn beinahe in jedem Raum gab es Kameras. Manche waren offensichtlich angebracht, wieder andere waren gut versteckt und ich war mir nicht sicher, dass ich schon alle gefunden hatte. Ich konnte es also unter keinen Umständen wagen, eine der Türen aufzubrechen. Wie ich unter diesen Voraussetzungen Beweise sammeln sollte, war mir ein Rätsel. Mein Onkel würde mich steinigen. Das Zeitfenster, das er mir gesetzt hatte war ohnehin schon so verdammt knapp bemessen, dass mir nur noch wenige Tage blieben. Wie sollte ich da nach versteckten Kameras suchen und professionelles Werkzeug auftreiben. Ich raufte mir die Haare und drückte die Fußsohlen etwas fester in den Sand. Und nun saß er mir auch noch im Nacken. Als er mich neulich angerufen hatte, war ich in meinem Zimmer gewesen. Im ersten Moment hatte ich geglaubt, mir würde das Herz stehenbleiben, als mein Handy in meiner Tasche summte. Ich hatte gewusst, dass dies das Zeichen war, dass er ungeduldig wurde und das bedeutete, er würde es nicht bei diesem einen Anruf belassen, wenn ich nicht bald Ergebnisse lieferte. 

Ich blieb stehen und richtete den Blick aufs Wasser. Diese Gedanken kreisten nun schon seit Stunden immer wieder durch meinen Kopf und es war nicht der kleinste Schimmer einer Idee in der Finsternis in Sicht. Ich fluchte leise. Im Grunde konnte ich immer noch nicht glaube, dass es wirklich so weit gekommen war. 

Bei einem Mann wie Charles Bloomer aufzuwachsen, war ein Zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite hatte ich immer alles gehabt, was ich brauchte und noch viel mehr. Auf der anderen Seite hatten schon in der Grundschule die Kinder mit den Fingern auf mich gezeigt, denn ich war die, mit der sie nicht spielen durften. So lange ich denken konnte, war ich hin und hergerissen, zwischen dem Wunsch ein normales Leben zu führen und dem Wissen, dass ich nie so ganz dazuzugehören würde, einfach weil meine Welt so vollkommen anders war als die der anderen. Ich lernte zu kämpfen, zu schießen und mich durchzusetzen, gleichzeitig wollte ich mit meine Freundinnen kichern und ein normaler Teenager sein. Dieser Zwiespalt führte dazu, dass sich meine Einstellung im Laufe der Zeit immer wieder veränderte. Eine Zeitlang wollte ich nichts mit alldem zu tun haben. Dann wieder gewann die Rebellin in mir die Oberhand und ich riss ich mich darum, einen Job für meinen Onkel zu erledigen, nur um dann wieder alles abzulehnen, was ich mit ihm und seinen Geschäften in Verbindung brachte. Aber egal, wie ich gerade drauf war, ob bieder oder abenteuerlustig, er hatte mich immer machen lassen. Ich konnte nichts anderes über ihn sagen, als dass er mich behandelt hat, wie eine Prinzessin, so lange ich ihn gelassen hatte. Selbst als ich mich irgendwann entschloss, aufs College zu gehen und mir einen normalen Job zu suchen, hatte er es mich tun lassen.

Das hier war das erste Mal, dass er mich zu irgendetwas zwang. 

Eines Abends war er einfach in meinem Wohnzimmer aufgetaucht - Duffie im Schlepptau. Ohne mir groß zu erklären, was eigentlich los war, hatte er mir eine Heiratsurkunde auf den Tisch geknallt und mir gesagt, dass ein gewisser Simon Harris bei mir auftauchen und eine Schuld einfordern würde. Ich hatte ihn angestarrt, als wäre das ganze ein schlechter Witz. Duffie hatte dabei auf seine Füße geglotzt und verkrampft die Lippen aufeinander gepresst. Es hatte ewig gedauert, bis ich begriffen hatte, was eigentlich los war. Dass Simon und dieser Alex das Unternehmen meines Onkels bedrohten und dass er sich anscheinend ernsthaft in die Ecke gedrängt fühlte. Es war überhaupt das erste Mal, dass ich erlebte, wie mein Onkel sich um irgendetwas sorgte. Er hatte mir gesagt, dass er noch niemals etwas von mir verlangt hatte, und dass er es, wenn irgend möglich auch nie wieder tun würde, aber dieses Mal hätte er keine andere Wahl. Er hatte mich angelächelt, sich vor gelehnt und in einem kalten, schneidenden Ton, in dem er noch nie mit mir geredet hatte, versprochen, dass wenn ich mich weigerte, auch meine kleine Welt einstürzen würde. Und ich hatte ihm geglaubt. 

Nun war ich hier und der Auftrag lautete, alles herauszufinden, was Simon Harris belasten oder wenigstens die Übernahme von SmashYou Consulting verhindern konnte. Und bisher hatte ich absolut nichts, während die Uhr unaufhörlich tickte. 

Ich würgte, wie immer, wenn ich daran dachte, dass ich im Begriff war, alles zu verlieren, was ich mir aufgebaut hatte. 

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Kapitel 9

Simons Miene verfinsterte sich, als er Coco sah. Sein Blick huschte irritiert zu mir, dann wieder zu ihm. Er brummte etwas Unverständliches und ging sich dann einen Drink einschenken. „Warum ist der hier?“ Er schaute mich fragend und angriffslustig an und deutete auf Coco.

„Weil du anscheinend deine Hausaufgaben nicht gemacht hast.“ Coco flötet in einem Ton, der die purste Provokation war.

Ich stöhnte innerlich. Es hatte sich mir nie so genau erschlossen, warum die beiden sich hassten, aber wann immer sie aufeinander trafen, gab es Stress.

„Du hast wohl einen Clown gefrühstückt, du kleiner Pisser.“ Simon machte zwei schnelle Schritte auf Coco zu, der ruhig sein Glas zur Seite stellte, Körperspannung aufbaute und sich leicht in seinem Sessel hochdrückte, bereit zum ersten Schlag auszuholen.

„Reißt euch zusammen, Kinder.“ Es war nicht zu fassen, ich musste wirklich dazwischen gehen, dabei waren sie gerade mal ein paar Sekunden im selben Raum.

Simon drehte sich um, machte sich ein Stück größer, als er war und wollte etwas einwenden, aber ich fuhr ihm über den Mund. „Coco ist hier, um etwas über Sao in Erfahrung zu bringen.“

Simon ließ die Schultern sinken und stöhnte auf. „Oh man.“

„Und um zu schauen, was deine kleine Mieze so auf dem Kasten hat“, schoss Coco hinterher. 

Ich konnte es nicht fassen und hätte ihm am liebsten meine Faust in den Magen gerammt, so dass ihm die Lust vergangen wäre, sein Maul noch einmal aufzureißen.

Simon war sofort wieder auf hundertachtzig. „Was zur Hölle soll mit ihr sein? Drehst du jetzt vollkommen durch?“ Simons Gesichts färbte sich rötlich. 

Coco lehnte sich wieder zurück und grinste, weil er sich über Simons Reaktion freute. 

Ich warf ihm einen vernichtenden Blick zu und an Simon gewandt erklärte ich: „Findest du nicht, sie ist zu, wie drücktest du dich aus, >besonders<, um eine einfache Lehrerin zu sein?“

Simon starrte mich an, sagte aber nichts. Ich wartete geduldig, allerdings war ich mir sicher, dass keine Einsicht folgen würde.

„Ich finde, dass du im Moment gefallen daran hast, dich auf alles drauf zu setzten, was dich einen verdammte Scheiß angeht. Sao ist eine Sache, aber in deine Angelegenheiten mische ich mich auch nicht ein, also halt dich gefälligst aus meinen raus.“ Er blieb so ruhig während er sprach, dass ich überrascht war. Ich hatte mehr damit gerechnet, dass er versuchen würde, mir eine reinzuhauen. Aber er ging ohne ein weiteres Wort zu verlieren zur Tür und riss sie auf. 

Abrupt blieb er stehen und erstarrte. Neugierig folgte ich seinem Blick und musste ein Lachen unterdrücken, als ich Tess vor der Tür stehen sah, die Augen weit aufgerissen und die zierliche Hand erhoben und zur Faust geballt, als wollte sie klopfen. 

Simons Blick huschte kurz zu mir, ein Sturm aus Zorn, Vorwürfen und Fassungslosigkeit tobte in seinen Augen – aber ich konnte schließlich nichts dafür, dass ich recht hatte. Coco hatte sich in der Zwischenzeit in seinem Sessel aufgerichtet und starrte seinerseits die Frau im Türrahmen an. Hoffentlich begriff er jetzt, warum ich mich mit >sie ist sauber< unter keinen Umständen zufrieden geben konnte.

Als mein Blick wieder zurück glitt, hatte Simon seine Hand um Tess Hals geschlossen und drückte zu. „Hast du gerade gelauscht?“, zischte er scharf.

Sie schüttelte den Kopf und schnappte nach Luft, während sich ihr Gesicht ähnlich rot verfärbte wie Simons. Er drückte noch etwas fester zu und schob sie ein Stück an der Tür hoch, so dass sie sich kaum mehr auf ihren Zehenspitzen halten konnte und ihr Atem lediglich als leises Röcheln zu hören war. 

Ich wollte schon einschreiten, da knallte Simon sie noch einmal mit voller Wucht gegen das Holz und ließ sie los. Anschließend drehte er sich um und ging, während Tess an der Tür herunterrutschte und in sich zusammensackte.

Ich nickte Coco zu, der mir zuzwinkerte zum Zeichen, dass er verstanden hatte und den Raum verließ. Ich ging zur Anrichte, schenkte ein weiteres Glas ein und hielt es ihr entgegen. „Komm her und schließ die Tür hinter dir.“

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Kapitel 10

Der Blick, mit dem sie mich anschaute war unergründlich. Ihr Gesicht war immer noch gerötet, ihre Augen weit geöffnet und ich hatte den Eindruck, ihre Lippen bebten. Und dennoch war da noch mehr. Angst war es nicht, nicht einmal Respekt. Vorsichtig als gelte es nichts kaputt zu machen, stand sie auf und schloss die Tür. Dann blieb sie stehen und verharrte unschlüssig. Ich schenkte ein weiteres Glas ein und hielt es ihr mit ausgestrecktem Arm hin. Ich hatte nicht vor, mich mit ihr durch den Raum hinweg anzuschreien. 

„Nun komm schon her.“ Ich bemühte mich um einen sanften Ton. Simons Attacke hatte sie erschreckt. Allerdings war ich mittlerweile zu der Überzeugung gelangt, dass sie sich in nicht zum ersten Mal in Kreisen wie unseren bewegte. So sehr konnte sie sein Verhalten also auch nicht aus der Fassung gebracht haben. Und wenn ich es eine Sache gab, die mich ungeduldig werden lassen konnte, dann die, wenn mir jemand versuchte etwas vorzumachen.

Lange brauchte ich nicht zu warten, sie atmete tief durch, dann kam sie auf mich zu. Ihr Blick war wieder fest und ihre Miene entspannt. Sie hatte sich offensichtlich wieder unter Kontrolle.

„Setzten wir uns.“ Ich ging voran und wählte den Sessel, in dem Choco gerade noch gesessen hatte. Sie folgte mir und ich reichte ihr das Glas. „Trinken Sie und setzten Sie sich.“

Sie trank in einem Zug aus und stellte das Glas mit Schwung auf den Tisch. Dann hob sie den Blick. Dieses Mal war es wilde Entschlossenheit, die in ihren Augen tobte. Sie wappnete sich, für was immer nun kommen würde.

„Also?“, begann ich fragend.

„Also was?“ 

Ich grinste in mich hinein, ohne eine Miene zu verziehen. Sie hatte wirklich vor, so zu tun, als wüsste sie nicht, was ich von ihr hören wollte. „Also warum sind Sie wirklich hier.“

Für den Bruchteil einer Sekunde veränderte sich der Ausdruck in ihrem Gesicht, bevor sie sich wieder im Griff hatte. „Ich weiß nicht, worauf Sie hinauswollen. Sie wissen genau, wie ich hier gelandet bin, Ihr Freund hat mich verschleppt.“ 

Das Wort Freund, sprach sie mit so viel Abscheu in der Stimme aus, das ich das Lachen wieder nur schwer zurückhalten konnte. „Geben Sie sich nicht der falschen Hoffnung hin, dass Simon der einzige ist, der unangenehm werden kann. Sie sind keine einfache Lehrerin. Ihr gesamtes Verhalten widerlegt das. Versuchen Sie nicht, mich für dumm zu verkaufen. Ich bin möglicherweise der einzige Freund, den Sie hier im Augenblick haben. Also frage ich Sie noch einmal ganz in Ruhe, was haben Sie gerade gehofft zu hören, als Sie an der Tür gelauscht haben?“

„Ich wollte nicht lauschen. Ich weiß schon, dass ich diesen Eindruck erweckt haben muss, aber ich wollte lediglich fragen, ob mir irgendwer sagen kann, wie lange ich noch festgehalten werde. Ich will nicht ungeduldig erscheinen, aber das hier ist nicht unbedingt eine angenehme Situation für mich.“ Während sie sprach, bohrte sie ihren Blick in meinen, als könnte sie ihren Worten auf diese Weise mehr Überzeugungskraft verleihen. 

Ich konnte nicht anders, ich musste ihre Courage bewundern. Es erforderte Mut und einen sehr kühlen Kopf, in einer solchen Situation eine Lüge überzeugend rüberzubringen. Das es eine Lüge war, davon war ich überzeugt.

„Dafür schlagen Sie sich außerordentlich gut.“ Ich versuchte nicht, den Sarkasmus aus meiner Stimme zu verbannen. Sie sollte wissen, dass ich sie durchschaut hatte und sich nicht der Illusion hingeben, sie könnte mich täuschen.

„Ich nehme an, Sie erwarten von mir, dass ich den ganzen Tag heule und schreie und vor Angst und Panik nicht mehr ein und aus weiß.“

„Es wäre zumindest das Verhalten, das ich von einer braven Lehrerin erwarten würde.“ Ich stand auf und schenkte uns nach.

Dieses Mal trank sie langsamer. „Wissen Sie, ich bin in Verhältnissen aufgewachsen, die, wie soll ich sagen, nicht unbedingt normal waren. Es ist nicht so, dass ich solche Ausraster nicht kenne.“ Sie deutete auf die Tür um zu verdeutlichen, wo von sie sprach.

„Wo sind Sie aufgewachsen?“

Nun weiteten sich ihre Augen. Wieder hatte ich für den Bruchteil einer Sekunde den Eindruck, Angst würde in ihnen aufflackern. Sie konnte unmöglich angenommen haben, ich würde ihre Geschichte akzeptieren, ohne sie zu hinterfragen. 

Sie schaute auf ihr Glas, als müsste sie überlegen, was sie sagen sollte, oder als wollte sie den Eindruck erwecken, dass sie nicht gern über ihre Vergangenheit nachdachte.„Spielt das eine Rolle?“, entgegnete sie schließlich. Wieder tobte wilde Entschlossenheit in ihrem Blick. 

„Aber natürlich, denn sonst kann ich Ihre Geschichte nicht überprüfen, wie Sie sehr genau wissen.“

Eine Spur Verlegenheit huschte über ihr Gesicht und verfärbte ihre Wangen rötlich. „Ich befürchte, das Risiko muss ich eingehen.“ Sie erhob sich und stellte das Glas auf den Tisch. „Darf ich gehen?“

Ich nickte und betrachtete, wie ihr die langen dunklen Haare ins Gesicht fielen. Sie drehte sich schwungvoll um und ging. Ihr winziger Po schwang dabei verführerisch hin und her und ich gestattete mir nun endlich ein Lächeln. 

Sie öffnete die Tür und prallte direkt gegen Chocos Brust. Erschrocken wich sie ein Stück zurück.

„Bring sie auf ihr Zimmer. Dort bleibt sie, bis ich mir etwas anderes überlege.“

Als sie sich nun umdrehte, war ihr Blick definitiv entsetzt. So entsetzt, dass ich etwas begriff: Sie mochte Angst vor Simon haben, sie mochte auch Angst vor mir haben, aber noch mehr fürchtete sie jemanden anderen. Vermutlich denjenigen, der sie hier her geschickt hatte.

 

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Kapitel 11

Charles Bloomer stöhnte, während er an einer Krawatte herumhantierte, die er versuchte um seinen massigen Hals zu binden. Der Rest seines Körpers steckte in einem schicken Dreiteiler und die Krawatte war das einzige Detail, das noch fehlte. Wie hatte er nur die Geburtstagsfeier des Vorsitzenden des Handelsausschusses vergessen können? 

Natürlich weil er augenblicklich wichtigere Sorgen hatte. Auf der anderen Seite war es nur wahrscheinlich, dass diese beiden Vollidioten ebenfalls eingeladen waren und weil man sich mit dem Vorsitzenden des Handelsausschusses nicht schlecht stellte, würde zumindest einer von ihnen auch auftauchen. Dabei hatte er, Charles, vorgehabt, das nächste Treffen so weit hinauszuzögern, bis er wirklich etwas in der Hand hatte. Nun würde er heute Abend aufpassen müssen, dass es zu keiner verfrühten Konfrontation kam. Natürlich würde die Sache dort nicht eskalieren können, was Charles ein kleines bisschen beruhigte, schließlich kam öffentlich zur Schau gestellte Gewalt in solchen Kreisen, und zumal die Presse vor Ort sein würde, nicht in Frage. Dennoch hatte Charles ein unwohles Gefühl. Für den Fall der Fälle hatte er Buster gebeten mitzukommen. 

Er hatte auch Buster noch einmal angewiesen, seiner Nichte auf die Finger zu klopfen. Es wurde Zeit, dass sie endlich Informationen lieferte. Aber ihr Handy war aus und sie war auf diesem Wege nicht mehr zu erreichen. Buster würde also persönlich nachsehen müssen, was sie trieb und sollte es nicht anders möglich sein, ihr ein bisschen unter die Arme greifen. 

Charles spürte es genau, so langsam wurde er nervös. Die Zeit rannte ihm davon, ewig konnte er den Abschluss des Deals nicht mehr hinauszögern. Gleichzeitig gingen ihm die Optionen aus. Er hatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, die ihm eingefallen waren, nun mussten seine Bemühungen nur noch zum Erfolg führen. Einen Plan B gab es nicht. Es musste klappen. 

Charles atmete tief durch. Es war nicht das erste Mal in seinem Leben, dass er alles auf eine Karte setzte. Er war gut im Pokern, noch besser im Schach und unschlagbar, wenn der Einsatz hoch war. Es war ausgeschlossen, dass er verlor. Charles Bloomer verlor nie. Das war eine Art Naturgesetz. Der Gedanke beruhigte ihn ein bisschen. Er kippte den Bourbon runter und eilte zur Tür. 

Buster und sein Fahrer warteten unten in der Halle auf ihn. Nur wo verdammt noch mal war seine Frau? 

Er brüllte ihren Namen ein paar Mal durchs ganze Haus, bis sie schließlich erschien und ihn missmutig anfunkelte. „Was soll das?“, fauchte sie. „Wenn du noch einmal so schreist, kannst du allein fahren.  Ich habe so wie so keine Lust auf all diese arroganten Fratzen.“

Charles betrachtete seine Frau, ihre aufblondierten Haare, das schmale Gesicht mit der hohen Stirn, das nach all diesen Jahren immer noch schön war. Leider war mit der Menopause auch die Launenhaftigkeit gekommen. Er wusste, dass das nicht stimmte, sie reagierte nur dann schlechtgelaunt, wenn er sie anblaffte. Aber bevor er sich mit solchen Kausalitäten auseinandersetzte, schob er es lieber auf die Biologie. Nicht zum ersten Mal dachte er darüber nach, ob er sich nicht mal wieder eine jüngere Geliebte zulegen sollte. Seine Sekretärinnen schossen ihm durch den Kopf und er verwarf den Gedanken wieder. Das würde er nur ertragen können, wenn er sie zuvor knebelte und selbst dann war er sich nicht sicher. Er legte den Arm um seine Frau und schob sie aus der Tür, die Buster ihnen aufhielt. 

Wenn dann, überlegte Charles, müsste eine Geliebte ein bisschen älter sein als seine Sekretärin, natürlich auch nicht so alt wie seine Frau, irgendwo dazwischen, und natürlich ohne Haare auf den Zähnen. Aber die hatten sie ab einem gewissen Alter fast alle. Das machte die Erfahrung mit ihnen. Charles dachte wehmütig an die Zeiten seines Vaters zurück, wo man die Frau noch hinter den Herd sperren und von jeder Erfahrung fernhalten konnte. Er dachte an seine Mutter und schüttelte den Kopf, sie hatte auch Haare auf den Zähnen gehabt, wenn er ehrlich war. Er schüttelte erneut den Kopf, heute war nicht sein Abend. Er musste diese verdammte Nervosität loswerden.

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Kapitel 12

„Fuck“, stöhnte ich. Die Sache war gelaufen und ich war endgültig am Arsch. Ich raufte mir die Haare und vergrub dann das Gesicht in den Händen. Die Tür war verschlossen und das würde sie auch bleiben. Alex hatte mich durchschaut und ich war mir sehr wohl bewusst, dass er mir meine Gesichte nicht geglaubt hatte. Im Nachhinein war ich mir vollkommen darüber im Klaren, dass es unfassbar leichtsinnig von mir gewesen war, an der Tür zu lauschen. Ich hatte nur keine andere Alternative gesehen. Als die drei in das Zimmer marschierten, wusste ich sofort, dass sie etwas Wichtiges besprechen würden. Ich hatte mir diese Chance, mehr in Erfahrung zu bringen, einfach nicht nehmen lassen wollen. Zu meinem großen Ärger hatte ich noch nicht einmal etwas gehört. Ich hatte nicht einmal mitbekommen, wie Simon sich der Tür genähert hatte. Er hatte mich eiskalt erwischt, als er die Tür aufgerissen hatte. Der Ausdruck auf seinem Gesicht, ließ mich immer noch erschauern. Wieder und wieder schielte ich zur Tür und hoffte, er würde nicht hereinkommen, um noch einmal seine Wut an mir abzureagieren. Vielleicht würde Alex ihm das aber auch nicht erlauben. Der Gedanke war lächerlich und mir schleierhaft, wie ich überhaupt auf diese Möglichkeit kam. 

Wieder raufte ich mir die Haare, ich hatte nichts und in wenigen Tagen würde mein Onkel Ergebnisse hören wollen. Ich wollte mir die Konsequenzen, wenn ich nicht liefern konnte, gar nicht erst ausmalen. Es gab eigentlich nur eine Möglichkeit: Ich musste hier raus. Nur wie? Wie zur Hölle sollte ich das anstellen?

Irgendwann schlief ich ein. Es war ein unruhiger traumloser Schlaf und ich war beinahe froh, als ein Geräusch mich aufweckte. Im ersten Augenblick war ich verwirrt und wusste nicht genau, woher es kam. Dann lokalisierte ich den Lichtschimmer, der durch einen Spalt in der Tür fiel. Ich erkannte außerdem die Silhouette eines Mannes. Ich blinzelte, um den Schleier von meinem Augen zu vertreiben, aber es war trotz es matten Scheins viel zu dunkel, als dass ich sein Gesicht hätte erkennen können. 

„Mach dich fertig und kram ein hübsches Lächeln heraus. Wir gehen auf eine Party.“ Mit einem Mal flammte das Licht auf und Alex schaute mich an. Es war grell und fasst instinktiv hob ich einen Arm schützend über die Augen, damit ich nicht geblendet wurde. 

Alex lächelte nicht. Seine Miene war ausdruckslos und sein Tonfall ebenso neutral. Vor mir auf dem Bett entdeckte ich ein schwarzes Kleid. Was hatte er vor?

„Du hast fünfzehn Minuten, dann holt Choco dich ab.“ Dann zog er die Tür energisch ins Schloss. Es klickte. Dann war ich wieder gefangen. 

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Kapitel 13

Ich saß allein in einer riesigen protzigen Karre. Den Fahrer hatte ich nicht einmal gesehen. Choco hatte mich in dieses Auto gesetzt. Die Kabine zum Fahrerbereich war mit einem elektrischen Vorhang verschlossen. Ich hatte mir nicht die Mühe gemacht, dagegen zu klopfen und zu schauen, ob er hochgelassen wurde. Auf der anderen Seite würde doch noch ein ahnungsloser Angestellter sitzen, der nur in soweit informiert war, als sein Auftrag reichte, und das beinhaltete vermutlich den Ort, an den er mich fahren sollte.

Das Kleid saß wie angegossen. Woher sie meine Größe wussten, war mir nicht klar, genauso wenig, was das ganze werden sollte. Ich blickte aus dem Seitenfenster um aus der Umgebung, die an uns vorbeirauschte, Rückschlüsse zu ziehen, wohin wir uns bewegten, aber es gelang mir nicht. Erst als wir die Innenstadt erreichten, schwante mir, dass ich mich auf dem Weg zu irgendeinem offiziellen Anlass befand. Aber welcher Grund nur bewog Alex, mich zu so etwas mitzunehmen. Ich brauchte dort nur den Mund aufzumachen und von meiner Situation zu berichten und er war mich los. Das Ganze ergab keinen Sinn, egal aus welcher Perspektive ich es betrachtete. Wir durchquerten die Innenstadt und erreichten ein ruhigeres Viertel, befanden uns aber immer noch nicht weit der City, die Häuser hier waren riesig bis protzig. Das Haus vor dem wir hielten rief keinerlei Erinnerung in mir wach. Dafür erkannte Alex schon von Weitem. Er lehnte an einem Sportwagen und wartete. Jedenfalls machte er sich sobald wir in Sichtweite kamen auf den Weg zu uns und öffnete meine Tür, kaum das der Wagen zum Stehen gekommen war.

„Darf ich bitte.“Alex Ton entnahm ich eine unterschwellige Ironie, die ich nicht genau einzuordnen wusste.

Er hatte sich selbst ebenfalls schick gemacht. Der Smoking, den er trug, ließ seine breiten Schultern noch etwas breiter wirken und seine kühle distanzierte Art noch etwas unnahbarer. 

„Wo sind wir hier?“, fragte ich, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten. Wenn er gewollt hätte, dass ich wusste, aus welchem Grund wir hier waren, hätte er ihn mir von Anfang an gesagt.

„Das werden Sie gleich sehen. Sie sehen übrigens großartig aus.“ Er stand dich hinter mir, die Hand um meinen Nacken gelegt. Nach außen hin war das eine unschuldige, vertraute Geste. Auf mich wirkte sie jedoch, als hätte er mir Fesseln angelegt. Und ich war mir sicher, dass er sie auch genau so meinte.

Während er mich die Stufen zum Eingang empor schob, raunte er mir zu: „Zwei Regeln für heute Abend. Erstens: Sie bleiben an meiner Seite. Zweitens: Sie reden mit niemandem.“

„Was zum Teufel soll ich dann hier?“, zischte ich.

„Das werden Sie sehen.“ Er betrachtete mich beinahe fröhlich und zwinkerte mir zu. Dann wandte er sich an den Portier. „Alex Van Haaden. Ich werde erwartet.“

Der Augen des jungen Mannes huschten über die Liste auf seinem Smartphone, dann nickte er und die beiden in schwarze Anzüge gehüllten Sicherheitsmänner traten jeweils einen Schritt zur Seite und öffneten uns die Türen.

„Mr. Darington erwartet Sie, Sir.“

Ich grübelte, ob ich den Namen schon mal irgendwo gehört hatte, aber es klingelt nichts. Ein Mr. Darington war mir vollkommen unbekannt.

Wir betraten eine in warmes Licht getauchte Eingangshalle. Der Raum war gefüllt mit Leuten in Abendgarderobe, von denen ich nicht wenige sofort wiedererkannte. Teilweise waren es Geschäftsfreunde meines Onkels, die ich jedoch glücklicherweise, so weit ich es überblicken konnte, nur vom Sehen her kannte, teilweise waren es Gesichter, deren Anblick mir nur aus der Zeitung oder aus den Nachrichten geläufig war. Mein erste Gedanke war, dass es durchaus möglich war, dass mein Onkel sich auch unter den Gästen befand und der zweite war die Erkenntnis, was Alex vorhatte und warum er das Risiko einging, mich mit zunehmen. Er wollte herausfinden, ob mich hier jemand erkannte. Sollte das der Fall sein, war er nur noch eine unverfängliche Frage von meiner wahren Identität entfernt. Zu diesem Schreckensszenario gab es nur noch eine Steigerung. Der absolute Super-GAU wäre es, wenn ich meinem Onkel direkt in die Arme liefe. Ich versteifte mich und mir wurde eiskalt. Ich wagte es nicht zu Alex zu schauen. Dieser verdammte Mistkerl. Er war noch cleverer als ich es befürchtet hatte. Die ersten Leute schauten sich schon nach uns um. Ich überdachte, wie die Chancen standen, dass mich jemand wiedererkennen würde. Wenn überhaupt hatten sie mich das letzte Mal vor zehn Jahren gesehen. Allerdings hatte ich mich sicherlich nicht so sehr verändert, dass es man mich verwechseln konnte. Auf der anderen Seite wer achtete auf ein Kind, das bei einem Geschäftspartner herumläuft. Ich ließ die ganzen >Oh, ist die Kleine aber süß< Revue passieren und kam zu dem Schluss, dass es einen Haufen Menschen gab, bei denen die Chancen sehr groß waren, dass sie mich noch im Gedächtnis hatten.

„Alles in Ordnung?“Alex stand immer noch direkt hinter mir, hatte sich aber nun ein Stück nach unten gebeugt, so dass seine Lippen mein Ohr beinahe berührten. Ich hörte genau, dass er das Feixen kaum aus seiner Stimme verbannen konnte.

„Aber sicher“, presste ich zwischen den Zähnen hervor. 

„Sie wirken ein bisschen angespannt.“ Er rang sichtlich damit, einen neutralen Ton beizubehalten. 

Ich widerstand dem plötzlichen Drang, ihm meine Faust irgendwo reinzurammen und konzentrierte mich darauf, meine Umgebung im Blick zu behalten und mich gegenüber möglichen Bekannten zu wappnen.

Sobald wir den halben Raum durchquert hatte, kamen auch schon die ersten Interessierten und schüttelten Alex die Hand. Mir entging dabei nicht, dass sie mir immer wieder neugierige Blicke zu warfen. Glücklicherweise kannte ich keinen von ihnen und schob die Neugier, die sie mir entgegenbrachten, darauf, dass es nach außen so wirken musste, als sei ich Alex Begleitung. Wahrscheinlich fragten sie sich, ob ich seine neue Freundin war.

Bei diesem Gedanken überkam mich ein merkwürdiges Gefühl, das ich nicht so ganz einzuordnen wusste. Ich betrachtete den großen arroganten Mann neben mir plötzlichen aus einem anderen Blickwinkel und sofort waren mit meine eigenen Gedanken so unangenehm, dass ich sie so schnell es ging versuchte wieder abzuschütteln.

So verging eine Weile, bis irgendwann ein Mann mit Mikrofon versuchte, die Aufmerksam des Saals zu bekommen. Ich vermutete, dass es sich um unseren  Gastgeber handelte. Er hieß uns willkommen, formulierte ein paar Worte des Dankes und stellte seine Hoffnung den heutigen Abend betreffend dar. Es war keine richtige Rede, dennoch schenkte sie mir genügend Zeit, mir die Anwesend in Ruhe anzuschauen. Bevor ich meinen Blick schweifen ließ, vergewisserte ich mich, dass Alex dem Redner lauschte und mich nicht beobachtete. Zu meiner Erleichterung konnte ich immer noch niemanden entdecken, den ich kannte oder besser, der mich kannte, bis meine Augen die hinterste Ecke des Raumes erreichten. Mir stockte der Atem. Ich schloss die Augen und schaute noch einmal hin, als wäre es möglich, dass ich mich in einem Albtraum befand. Aber so sehr ich mir auch wünschte, dass es anders war, es blieb Buster, der dort an der Tür lehnte. Dann konnte mein Onkel auch nicht weit sein, und was noch schlimmer war, meine Tante begleitete ihn für gewöhnlich auf solche Anlässe. Da mein Onkel mich selbst zu Simon und Alex geschickt hatte, würde er mich nicht auffliegen lassen, auch wenn er mit Sicherheit die falschen Schlüsse aus dem Umstand zog, dass ich mit Alex in aller Öffentlichkeit in der Gegend herum wandelte. Meine Tante jedoch, hatte keine Ahnung aus, welchem Grund ich hier war. Sollte sie mich sehen, sie wurde ohne darüber nachzudenken auf mich zustürmen und meine Tarnung auffliegen lassen. Ich stöhnte auf und bemerkte erst viel spät, dass Alex mich neugierig musterte und meinem Blick folgte. Auch er schaute Buster an und ein merkwürdiges Lächeln erschien auf seinem Gesicht.

 

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Kapitel 14

Ich hatte schwören können, dass ihre Augen intensiv aufleuchteten, als sie Buster sah. Wenn sie Buster kannte, dann kannte sie auch Bloomer. Die Idee, sie hier her zu bringen, wo ich wusste, dass Bloomer auftauchen würde, war mir spontan gekommen. Und allem Anschein nach hatte ich mit allen meinen Vermutungen rechte gehabt. Gewissheit würde der Rest des Abends bringen, dessen war ich mir sicher. 

Ich beobachtete, wie Tess ihre kleine Stirn in grüblerische Falten legte und musste mit mir ringen, ein Lächeln zu unterdrücken. Ich plante, den Abend für sie so unangenehm werden zu lassen, wie es irgend ging, und es in vollen Zügen genießen, zu zusehen, wie sie und Bloomer sich in ihren eigenen Lügen wandten.

Ich musste allerdings neidlos zugeben, der Plan war gar nicht so schlecht. Simon wäre garantiert nichts aufgefallen, nachdem er sich Tess ins Haus geholt hatte, überlegte ich. Wenn er mich nicht zufällig eine Woche früher als notwendig herbestellt hätte, wer weiß, vielleicht hätte die Kleine genug Informationen gesammelt, um den Deal platzen zu lassen oder noch schlimmer, um uns für Jahre in den Knast zu bringen. Warum mich die Situation nicht richtig wütend machte, wusste ich selbst nicht so genau. Vielleicht lag es daran, dass es momentan so schien, als würde die ganze Sache glimpflich ausgehen, aber vielleicht lag es auch daran, dass mir irgendetwas in diesen hellen kalten Augen gefiel. 

Nachdem Darington aufgehört hatte zu reden, schob ich Tess in die Richtung, in die Buster verschwunden war, und folgte ihm in der Hoffnung, ihm und Bloomer möglichst direkt über den Weg zu laufen. Meine Hand ließ ich in Tess Nacken und spürte Widerstreben in jedem ihrer Schritte. 

Ich hatte es ein kleines bisschen eilig, denn es war klar, dass Buster Tess auch gesehen hatte. Diese Neuigkeit würde er nun an seinen Boss weitergeben, der auf der schnellsten Wege verduften würde, um einer Konfrontation auszuweichen. Aber wir mussten nur durch die Flügeltür des Saals gehen, da standen wir auch schon direkt vor Bloomer. Buster war neben ihm und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Allem Anschein nach war er gerade im Begriff, die Neuigkeit zu berichten. Als Bloomer uns sah, fielen ihm beinahe die Augen aus dem Kopf. Er hob seine Hand und verscheuchte Buster von seinem Ohr, der sich aufrichtete und zu uns umdrehte. 

„Charles, wie schön Sie zu sehen“, begrüßte ich ihn fröhlich.

Bloomer brauchte einen Moment, bevor er sich wieder gefasst hatte. Seine fetten kleinen Augen glühten, während er Tess musterte, die sich merklich versteifte und, so weit ich es neben mir spüren konnte, das Atmen vorübergehend eingestellt hatte.

„Alex“, Bloomer quetschte meinen Namen nur so durch seine Zähne, immer noch starrte er Tess an, auch noch während er mir seine massige Hand mit den kurzen breiten Fingern entgegenstreckte. „Wer ist ihre zauberhafte Begleitung?“ Obwohl er ruhiger wirkte, lag etwas Lauerndes in seiner Stimme. 

Tess zitterte unmerklich. Ich sah auf sie hinunter, die eigentlich vollen Lippen hatten sie zu schmalen Strichen zusammengepresst und die hellen Augen weit aufgerissen. Alles Toughe war von ihr gewichen und ich ertappte mich dabei, wie sie mir fast ein bisschen leidtat - aber nur fast.

„Darf ich ihnen meine neue Freundin vorstellen, Tess Ventura.“ Ich strahlte so breit und unschuldig wie es ging und genoss, wie sich Charles Miene zu Stein verwandelte und das eben noch mühselig aufrechterhaltene Lachen gefror. 

Tess riss den Kopf herum und starrte mich an, als hätte ich den Verstand verloren. Ihre faszinierenden Augen funkelten vor tobendem Zorn. 

Bloomer betrachtete erst sie dann mich und und dann uns beide. Schließlich schien er seine Ruhe gänzlich wiederzufinden und lächelte sogar. „Und Sie sind sich ganz sicher, dass Ihre neue Freundin das auch weiß?“

Ich versteifte den Griff an Tess Nacken bis zu einem Punkt, von dem ich wusste, dass es ihr weh tun würde, behielt aber mein freundliches Lächeln bei und blickte aufmunternd auf sie herunter. 

Sie sah erst mich an, dann Charles und nickte dann verlegen. „Ja, das weiß sie.“ Sie rang sich ein Lächeln ab und zitterte beinahe dabei. 

Charles schien hin und her gerissen. Ich konnte sehen, wie Wut und Furcht in ihm tobten und wie der Zweifel an Tess Loyalität an ihm zu nagen begann. Meine Hoffnungen für den heutigen Abend waren so eben übertroffen worden. Aber meine Glückssträhne sollte noch nicht vorbei sein. Denn just in dem Augenblick, als ich beschlossen hatte, dass es genug der Konfrontation war und mit Tess in Richtung Buffet gehen wollte, rief eine helle Frauenstimme hinter uns her: „Natalie, Schatz. Himmel, was für eine Überraschung.“ 

Von Bloomers Seite war ein lautes Stöhnen zu hören und auch Tess, die sich gerade erst wieder entspannt hatte, versteifte sich aufs Neue.“

„Natalie, Kind, ich bin es“, flötete die Stimme etwas lauter. 

Ich spürte, wie Tess einfach weitergehen wollte, aber ich hielt sie zurück. 

„Ich glaube,“ lächelte ich, „du wirst gerufen, Natalie.“

Ich verstärkte den Griff an ihrem Nacken und zwang sie, sich mit mir zusammen umzudrehen. Mit einem Blick, in dem blanke Mordlust wütete, starrte sie mich an, dann wurde er sanft und nachgiebig, als er auf die Frau fiel, die sie gerufen hatte.

Ich erkannte Dalia Bloomer, die Tess nun um den Hals fiel, als Charles Gattin. Ich ließ Tess los, vergrub die Hände in den Hosentaschen und beobachtete voller Genugtuung Charles Gesicht, das sich gerade von grün zu blau verfärbte – ein bisschen sah es aus, als wäre er im Begriff zu ersticken. Ich biss mir auf Lippen, um mein Lachen zu unterdrücken. So nah standen sie sich also. War war Tess? Seine Tochter? Eine Verwandte? Irgendwo dort musste die Wahrheit liegen. Fragte sich nur, was ich nun mit dieser Erkenntnis anfangen wollte.

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Kapitel 15

Charles reagierte schnell, er zog meine Tante von mir weg, die ihn irritiert anblickte und die Welt nicht mehr verstand.

Ich wusste, dass es gleich krach geben würde, aber das war nichts im Vergleich zu dem Ärger, in dem ich steckte. Hatte ich gerade eben noch die Hoffnung gehabt, mein Onkel würde mich mitnehmen, zerbrach diese in tausend Stücke und ich war dem Mann hinter mir ausgeliefert. Wenn Alex nur ansatzweise so intelligent war, wie ich ihn einschätze, dann wusste er jetzt Bescheid oder jedenfalls so viel, als dass er sich den größten Teil der Geschichte zusammenreimen konnte. Ich war am Arsch. Ich wusste, ich hatte keine andere Wahl, als mich irgendwann umzudrehen und ihn anzusehen, aber ich konnte nicht. Ich wusste, das war albern, aber so langsam lernte ich über mich, dass ich albern wurde, wenn ich Angst hatte.

"Und was machen wir zwei nun mit dir?", seine Stimme war weich und warm und dennoch ließen mich seine Worte frösteln. 

"Sieh mich an", forderte er mich auf.

Ich zögerte trotzdem. 

"Sieh mich an", verlangte er von Neuem und drehte im selben Moment, mein Gesicht zu sich.

Sein Blick war unergründlich. Ich war auf Wut gefasst, das Bedürfnis mich in kleine Stücke zu teilen, aber es war lediglich unverschämtes Amüsement, das auf seinem Gesicht zu lesen war. 

"Ich denke, wir sollten uns unterhalten, kleine Tess. Was meinst du?"

Ich wusste, die Frage war rhetorisch gemeint, also entgegnete ich nichts. Er schloss die Finger um mein Handgelenk, durchquerte den Raum, mit schnellen langen Schritten, so dass ich Mühe hatte, mitzukommen und ging die Treppe hinauf. Vom Flur in der ersten Etage zweigten verschiedene Türen ab und ich bekam ein ungutes Gefühl. Hier oben war es leicht, allein zu sein, wenn man es darauf anlegte.

"Dürfen wir überhaupt hier oben sein?", fragte ich etwas außer Atem. Die Wände in diesem Haus waren alt und dick und niemand würde mich schreien hören. "Ich meine nur, es wäre doch peinlich, wenn alle Welt hört, wie du die Wahrheit aus mir rausprügelst." Ich versuchte es scherzhaft klingen zu lassen, aber erstickte fast daran. 

"Ich weiß doch die Wahrheit schon. Ich muss nichts aus dir herausprügeln." Wenn es überhaupt noch möglich war, sah er noch amüsierte aus als zuvor. 

"Was willst du dann mit mir allein dort drinnen?"

"Mir darüber klar werden, was ich nun mit dir anfangen möchte."

Das klang für meine Ohren nicht sonderlich beruhigend. 

Alex wusste anscheinend genau, wo er hinwollte, denn er zog mich zielsicher den Flur entlang, bis zu einer großen Flügeltür. Als wir sie erreicht hatten, öffnete er sie und schob mich hinein, bevor er sie sorgfältig wieder schloss und von innen verriegelte. Fuck.

Solange er mit der Tür beschäftigt war, verdrückte ich mich in die hinterste Ecke des Raumes. Wieder handelte ich albern, aber ich wollte so viel Abstand zwischen uns bringen wie möglich.

Langsam drehte er sich um und sah mich an. Wobei, er sah mich nicht einfach nur an, sein Blick fixierte mich, war durchdringend, als würde er geradewegs durch mich hindurch schauen und alle meine Absichten erkennen. Ich fühlte mich nicht mehr nur unwohl und hatte Angst, ich fühlte mich nackt. Nackt uns ausgeliefert. 

"Also ich fasse mal zusammen," er rieb sich dass Kinn während er weiter sprach. "Bloomer hat dich zu mir geschickt, um Informationen zusammeln, die mich und Simon belasten. Du stehst ihm nahe, bist seine Tochter oder eine nahe Verwandte."

Ich wollte antworten, aber er legte den Zeigefinger über seine Lippen und hielt mich zurück. "Bevor du antwortest, überleg dir genau, was du sagst. Bevor du mich anlügst, halt lieber die Klappe."

"Und was genau willst du dann noch von mir wissen, wenn du dir schon alles zusammengereimt hast?"

"Ich will wissen, ob du schon etwas in Erfahrung gebracht hast. Und ich will wissen, wieso du Bloomer überhaupt diesen Gefallen getan hast."

Ich schwieg. Das waren zwei Antworten, die ich nicht geben wollte. Wenn ich seine erste Frage beantwortete, würde ich meinem Onkel den letzten Trumpf nehmen und dann würde er mein Leben kaputt machen. Die Beantwortung der zweiten Frage war weniger schlimm, aber peinlich. Ich lachte innerlich kurz und freudlos. Mir machte es doch tatsächlich etwas aus, diesem Kerl etwas über mich wissen zu lassen, was mir peinlich war. 

"Was ist so lustig?"

Shit, er war viel zu aufmerksam. "Ich habe nichts herausgefunden", sagte ich hastig. "Und ich lache, weil die Situation absurd ist."

"Du hast recht, sie ist absurd. Du hast also nichts herausgefunden? Glaube ich dir das?"

"Versprochen."

Er lachte als hätte ich einen sehr guten Witz gemacht. 

"Ich weiß, das hört sich bescheuert an, aber wenn du mich gehen lässt, wirst du sehen, dass ich nichts wusste."

"Ich lass dich nirgendwo hingehen, solange Bloomers Firma nicht in Schutt und Asche vor meinen Füßen liegt, Prinzessin. Aber du hast Recht, dabei wird sich sicher zeigen, ob du etwas wusstest oder nicht."

Mir wurde schlecht. "Du beschissener Bastard. Du bist kein Stück besser als dein Kumpel Simon." Ich wusste nicht, wieso ich das sagte. War ich irre geworden? Wollte ich ihn wirklich reizen?

Er neigte den Kopf auf die Seite und betrachtete mich. Ein nachdenklicher Ausdruck, den ich nicht deuten konnte, legte sich dabei auf sein Gesicht. Es war ein ähnlicher Ausdruck wie ich ihn schon an jenem Tag meiner Ankunft, als ich Simon in den Finger gebissen hatte, gesehen hatte. 

Schließlich richtete er den Kopf wieder auf und schien einen Entschluss gefasst zu haben. "Ich will dir etwas sagen. Hör mir erst zu, bevor du mich unterbrichst in Ordnung?"

Ich wusste, dass das wieder rhetorisch gemeint war, also hielt ich die Klappe. 

Es dauerte eine ganze Weile bis er etwas sagte, und je länger er schwieg, desto nervöser wurde ich. Es konnte nichts Gutes sein, worüber er nachdachte, schließlich hatte er mich gerade in flagranti erwischt, mich sogar reingelegt, wenn ich bedachte, dass er mich so zielsicher zu meinem Onkel geführt hatte. Aber hier konnte er mir nichts tun, zu viele Zeugen - oder doch? Shit. 

Aber er ließ sich Zeit. Stand da, betrachte mich und - jedenfalls hatte ich den Eindruck -, kostete meine Nervosität aus. Sobald ich es jedoch nicht mehr aushielt und den Versuch unternahm, etwas zu sagen, bedeutete er mir mit einer Geste still zu sein. 

Als er endlich den Mund öffnete, kam es mir vor als wäre schon eine halbe Ewigkeit vergangen. „Ich unterstelle einfach mal, dass Bloomer dich, sagen wir, überredet hat, ihm zu helfen und das du nicht von selbst auf die Idee gekommen bist, dich bei uns einzuschummeln.“

Ich nickte heftig. Aber wieder legte er einen Finger an die Lippen, damit ich nichts sagte.

„Da ich nicht wissen kann, ob du schon Informationen weitergegeben hast, handhaben wir die Sache ganz einfach. Sollte mein Vorhaben Bloomer betreffend reibungslos verlaufen, übergebe ich dich nur der Polizei. Sollte sich herausstellen, dass du Informationen weitergegeben hast und sich dies zu meinem Nachteil auswirkt, gnade dir woran auch immer du glaubst.“ Er hatte keine Miene verzogen, während er sprach. Sein Ton war freundlich, geradezu sanft und dennoch hätte ich am liebsten geschrien.

Ich hatte nichts herausgefunden und daher auch nichts weitergegeben und dafür sollte ich dennoch büßen?

„Ich habe überhaupt nichts getan“, zischte ich entrüstet. „Ich weiß nicht einmal, was du mir vorwerfen willst.“

Er lachte. „Fangen wir doch mit Wirtschaftsspionage an und sehen dann, was uns noch einfällt.“

Irgendetwas in mir wurde so wütend, wie ich es lange nicht mehr erlebt hatte. Wahrscheinlich lag es daran, dass ich meinen Onkel schon dafür gehasst hatte, dass er mich zu diesem Himmelfahrtskommando gezwungen hatte. Und jetzt wo es schief gegangen war, sollte ich alles verlieren, obwohl ich nichts getan hatte? „Wenn ich bei den Bullen lande, dann nehme ich euch mit. Entführung und Vergewaltigung sind sicher gewichtiger als Wirtschaftsspionage.“ Ich schrie laut, ich trat sogar einen Schritt auf ihn zu, am liebsten hätte ich ihm die Augen ausgekratzt.

Er blieb wo er war und lächelte mich nach wie vor an. Er machte sich über mich lustig. Ich sah mein Leben bedroht und er verspottete mich. „Du bist so ein Wichser“. 

Mittlerweile stand ich direkt vor ihm, rekte ihm mein Kinn entgegen, weil ich den Kopf in den Nacken legen musste, um ihn anzusehen. Er war größer und stärker als ich, aber es interessierte mich nicht. Wenn er mich noch ein bisschen mehr reizte, dann würde ich auf ihn losgehen.

„Du kannst so viel protestieren, wie du willst. Du bist erwachsen, du trägst die Konsequenzen deiner Handlungen selbst.“ Er blieb unbeeindruckt, aber sein Lächeln erlosch. Seine Stimme klang nun kalt und streng, aber sein Blick hatte sich verändert. Irgendetwas glühte in seinen Augen, während er mich betrachtete.

„Ich hatte verdammte Scheiße noch mal keine Wahl.“

„Du kannst auch so viel betteln wie du willst. Das ist mir vollkommen egal.“

Betteln? Bettelte ich? Ich sah rot, irgendwie schaltete mein Kopf einfach aus.

Meine Fäuste trommelten wie von selbst auf seine Brust ein und als er anschließend immer noch dieses beschissene Grinsen im Gesicht hatte, versuchte ich seinen Mund zu treffen, oder seine Nase, die Augen, es war mir egal. Ich wollte ihm wehtun. Aber noch bevor ich es richtig versucht hatte, schlossen sich seine Finger um meine Handgelenke und hielten sie so fest, dass ich sie nicht mehr bewegen konnte. Also ergriff ich die einzige Chance, die ich noch hatte und versuchte ihn zu treten. 

„Schluss damit, was soll denn das werden?“ Das Grinsen wurde breiter.

War er etwa immer noch amüsiert? Ich versuchte noch einmal mit dem Knie seine Weichteile zu treffen, da landete ich mit dem Rücken an der Wand und er presste sich gegen mich. 

„Lass mich los“, fauchte ich. 

„Damit du mir die Augen auskratzt?“ Er sah auf mich hinunter, sein Blick loderte und dieses verdammte Grinsen wollte einfach nicht verschwinden. 

„Beruhige dich“, seine Stimme war immer noch sanft, aber eine Spur schärfer und vielleicht etwas rauer.

Ich wand mich, ich hatte nicht vor aufzugeben, aber je mehr ich mich bemühte, mich seinem Griff zu entziehen, desto mehr merkte ich, dass es aussichtslos war. Je mehr ich versuchte zu entkommen, desto fester hielt er mich und presste mich mit seinem Gewicht gegen die Wand. Ich sah wütend zu ihm hoch, mein Atem ging schnell vor Anstrengung. Sein Blick ruhte auf mir, aber nicht auf meinen Augen, sondern auf meinem Mund, und meinen Titten, die sich schnell hoben und senkten.

Dann veränderte sich etwas an der Situation, meine Wut verrauchte oder verwandelte sich in etwas anders, etwas das mit seiner Nähe zu tun hatte, mich durcheinander brachte und nicht hier her gehörte. Der Gedanke, wie es wäre, wenn er mich jetzt küsste, erfasste mich so heftig, dass mein gesamter Körper darauf reagierte. Ich wand mich noch einmal, aber halbherziger und das Einzige, was ich wahrnahm, waren seine Muskeln und dieser Geruch. Die kleinen Härchen an meinem Hals stellten sich auf, ohne etwas dagegen machen zu können, wurde ich weicher. Und natürlich merkte der Wichser das sofort. 

„Und was wird das nun?“ fragte er amüsiert und dränge sich noch etwas näher gegen mich. 

Erst dachte ich, er wollte mich noch weiter provozieren, aber dann spürte ich, dass er hart war. Verdammt hart. Ohne etwas dagegen machen zu können, leckte ich mir über die Unterlippe und schlug die Augen halb nieder. Meine Haut fühlte sich plötzlich fürchterlich sensibel an. Lag das daran, dass ich gerade noch so wütend gewesen war oder an ihm? Es war lächerlich in dieser Situation geil zu sein und doch lief mir ein Schauer über den Rücken, als er seine Hand hob und seine Finger fast zärtlich über meine Wange strichen. Ich drehte das Gesicht weg, aber es war viel zu halbherzig um Protest auszudrücken. Seine Fingerspitzen fühlten sich rau und warm an und lösten ein feines Prickeln auf meiner Haut aus, das in mir ein vollkommen unverständliches Verlagen auslöste. Ich schnappte nach Luft und hörte mein leises Japsen so laut, als hätte ich geschrien. Das amüsierte Lächeln war aus Alex Gesicht gewichen und hatte einen neuen Ausdruck hinterlassen, einen wilden verlangenden Blick, hungrig und dunkel. 

"Du willst wissen wer stärker ist", raunter er in mein Ohr. "Wirklich?"Seine Stimme hatten einen belegten rauen Unterton angenommen. 

Er streichelte über meine Haut und krabbelte in zwischen meine Schenkel. Fuck, vielleicht würde ich kommen, nur weil er mit dieser Stimme weiter flüsterte. 

Ich war unfähig zu antworten, ich wusste nicht mal, ob ich wirklich verstanden hatte, was er gesagt hatte, erst als er meine Hände hochriß und zu beiden Seiten der Wand neben meinen Kopf drückte, schüttelte ich den Kopf. Aber langsam ohne den Blick abzuwenden. Die Geste meinte 'nein', mein Körper meinte: 'alles was du willst, so lange du mich jetzt sofort fickst'. 

"Nein?" Er grinste wider amüsiert. "Gute Entscheidung! Glaub mir, es ist es besser so für dich."

Unsere Münder waren nur noch wenige Zentimeter von einander entfernt. Ich roch seinen Atem, spürte ihn warm auf meiner Haut. Schwer zu sagen, wer die letzten Zentimeter überwand, er oder ich. Angreifer und Verteidiger, aber die Rollenverteilung blieb unklar. Der Moment war magisch, die Zeit blieb stehen und begann gleichzeitig zu rasen. Es war ein gieriger Kuss, ich wusste nicht, ob ich schon jemals so gierig geküsst hatte. So sehr ich mich auch bemühte, ich konnte nicht genug von ihm bekommen, nicht genug von ihm schmecken. Seine Lippen waren überall, lagen fest auf meinen, verschlangen mich. Ich drängte mich ihm entgegen, obwohl er mich so fest gegen die Wand presste, dass kein Spielraum blieb. 

Er zog meine Arme höher, umfasste meine Handgelenke mühelos mit einer Hand und schob mit der andren meinen Rock nach oben und mein Höschen zur Seite. Er drängte sich mit seinem Oberschenkel so zwischen meine Beine, dass ich sie weiter öffnen musste, teilte meine Schamlippen mit einer schnellen gekonnten Bewegung und drang mit zwei Fingern in mich. Bevor ich schreien konnte, küsste er mich wieder, so dass nur ein leises Stöhnen zu hören war. Er bewegte seine Finger schnell und drängend, beinahe grob und doch nicht ansatzweise so tief, wie ich sie in mir spüren wollte. Nur dann strich er mit seinem Daumen hoch bis zu meiner Perle, drückte sie ebenso fest, bis ich mich wand. Dieses Mal vor Lust und nicht, um ihn abzuschütteln. Ein Gefühl wie ein einschlagender Blitz zuckte kurz und grell durch meinen Körper und hallte in Wellen nach, als sein Daumen zu sanften kreisenden Bewegungen überging. Noch einmal und ich würde kommen. Aber seine Finger verschwanden. Ich hörte wie er seine Hose öffnete. Er packte mit der freien Hand meinen Po und schob mich auf sich, so dass meine Zehenspitzen kaum mehr den Boden berührten.

"Versuch leise zu sein, Prinzessin", flüsterte er spöttisch und schob mir dennoch seine Zunge wieder in den Mund, bevor er sich in mich stieß. 

Der unweigerlicher Aufschrei verhallte in seinem Mund, ebenso wie der zweite und der dritte. Ein verräterisches Zucken setzte an, die Spannung in meinem Körper würde mich zerreißen und ich realisierte gar nicht, dass ich meine Finger fest in seine Haut und die meiner eigenen Hände krallte. 

"Shit" zischte er und zog scharf die Luft ein, als ich kam - er vermutlich auch, aber ich bekam es kaum mit. 

 

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Kapitel 16

Ich musste meinen Verstand verloren haben. Was zur Hölle tat ich hier? Ich betrachte die nach wie vor leicht zuckende Frau, deren Aufmerksamkeit immer noch nicht zurückgekehrt war. Ich hob sie von meinem Schwanz, erntete einen verwirrten Augenaufschlag und setzte sie wieder auf die Füße. Im Grunde war ich ein Gentleman, ich ließ sie erst los, als sie wieder sicher stand. "Alles in Ordnung?" fragte ich so geduldig, ich es über die Lippen brachte. 

Sie nickte und löste sich von mir. Sie war nicht blöd, sie wusste, dass sich die Stimmung veränderte. 

"Zieh den Rock runter und wisch dir das verschmierte Zeug aus dem Gesicht. Wir gehen." 

"Wie bitte?" Sie blinzelte mich irritiert an. 

Warum war ich so schroff? Für gewöhnlich hatte ich nicht das unwiderstehliche Bedürfnis, eine Situation klar zu stellen - besonders dann nicht, wenn es um Frauen ging. Eigentlich hatte ich nie unwiderstehliche Bedürfnisse. Ich betrachtete sie und wusste nicht, was ich von dem, was ich sah, halten sollte. "Dort ist ein Bad", fügte ich noch etwas barscher hinzu. 

Sie blinzelte wieder, aber tat, was ich sagte. Kein Trotz, keine Widerworte. Es gefiel mir, wenn sie sich fügte, wahrscheinlich weil es Seltenheitswert hatte oder weil sie mir ständig das Gefühl gab, mich in einem Duell zu befinden. 

Kaum war sie weg, glitt mein Blick an die Wand, an der eben noch ihr Rücken geklebt hatte. Das Bild wie ich die kleine Wildkatze gegen die Wand presste, loderte in voller Intensität wieder auf. Sie hatte auf mich reagierte  als wäre ich die Milch, die süßer schmeckt als alles, was ich sie bisher gekostet hatte. Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich das letzte mal so geil gewesen war. Es war unwiderstehlich gewesen, als sie vor Wut unter mir gezuckt hatte, nein, ich hatte schon angebissen, als sie ich sie auf diesem verdammten Boot in der Sonne gesehen hatte. Nach Frauen wie ihr hatten die Griechen Aphrodite erschaffen. Es lag eine Weichheit in ihren Zügen, die sinnlicher war als alles, was ich bisher von ihr gesehen hatte. Selbst die Widerspenstigkeit in ihren Augen war verschwunden gewesen und hatte nur einen verschleierten dunklen Schatten zurückgelassen. Das Schwarz ihrer riesigen verlangenden Pupillen hatte das Blau ihrer Augen fast verdrängt und ihre Lippen waren voll und leicht geöffnet gewesen. Dieses Beben ihrer Brust, weil sie viel zu tief und zu schnell atmete. Ich schüttelte den Kopf. "Fuck", stöhnte ich laut. 

Sie streckte den Kopf durch die Tür, die verschmierten Augen waren von der schwarzen Farbe befreit und hatten zu ihren vollen Klarheit zurückgefunden - und derselben Sturheit. Sie sah mich an, runzelte die Stirn und deutete in einer genervten Geste auf die Tür.

"Was ist nun? Geiseldrama Runde 2 und oder bleiben wir doch hier?"

Nun blinzelte ich. Sie resignierte und wurde sarkastisch? Was hatte sie dort drinnen gemacht, gegoogelt,wie man mich am besten reizen konnte? 

 

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